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Vorwort.

Soweit es mein Archiv, meine gesammelten Daten und Dokumente beinhalten, erhalten Sie hier Einblick in die Entwicklung der ehemaligen Plattenspielerfabrik Lenco AG Switzerland 

Alle Infos entstammen meinen früheren geschäftlichen Kontakten zur Lenco AG Burgdorf und langjährigen Recherchen und Notizen aus Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern.  

Meine ehemals vorhandene private Audio Hifi Gerätesammlung mit ca. 6400 verschiedenen Geräten aller Fabrikate inkl. alles was Lenco produzierte wurde am 22. Juli 2001 durch Brandstiftung zerstört. Habe damals Tausende Bilder und Unterlagen verloren aber einige Hundert beschädigt retten können.  

 

99% meiner Bilder sind daraus gerettete restaurierte Fotos.

Bilder und Daten zu Geräten die in den Lenco Betrieben entwickelt und produziert wurden. 

Bilder und Daten zu Geräten die im Auftrag für Lenco montiert wurden... und Lenco Geräte die unter fremden Namen für Vertriebspartner produziert und weltweit verkauft wurden.

 

 

Die Webseite von meinem Freund Max, Rainbow Electronics Solothurn. www.resus.ch ) 

beinhaltet sehr ausführliche technische Daten und Informationen zu vielen Lenco Geräten. 

Max ist Dipl. Elektroniker und Lenco Kenner. Er war von 1979-1984 Elektroniker in der Service Abteilung der Lenco Audio AG. 

Beide Webseiten ergänzen sich und geben Ihnen einen beinahe lückenlosen Überblick.

Anfragen zu swiss made Lenco sende bitte

an Eddie (www.occaphot-ch.com)    mail:   swiss-lenco@quickline.ch

oder an Max  (www.resus.ch)     mail:  maxaeschlimann@yahoo.com  

 

Es darf nichts kopiert und/oder im Internet und anderen Medien verwndet, veröffentlicht werden. Dies gilt sowohl für gewerbliche wie auch für private Verwendungzwecke. 

 

   

    Besuche auch die Lenco Webseite

    von Max Aeschlimann in Solothurn,

    mit vielen technischen Detail Infos.

    Fragen an Max = maxaeschlimann@yahoo.com

Geschichte der Lenco AG Burgdorf

1925-1950 

1925 wurde in Bern die Radiogenossenschaft ins Leben gerufen. Sogleich eröffnete in Burgdorf der 29 jährige Fritz Laeng, gelernter Elektriker und Fotograf in seiner Wohnung an der Platanenstrasse 26 sein eigenes bescheidenes Radio-Geschäft. Der erste Mitarbeiter war sein Halbbruder Robert Koller. Im Damensalon seiner Schwester durfte er einen Teil des Schaufensters als Ausstellplatz für seine "Radios" nutzen.

 

Diese ersten "Radios" die Laeng für Fr. 10.- im Angebot hatte waren Detektor Empfänger mit Kopfhörern in denen neben viel Rauschen und Geknatter ab und zu auch klare Töne zu hören waren. Die bereits im Handel erhältlichen einfachen Röhrenradios waren zu dieser Zeit kaum besser und zudem den meisten Familien zu teuer. Sofort gab es auch preiswerte Radio Bausätze zu kaufen.

 

Viel Kunden waren von der neuen Radiotechnik nur schwer zu überzeugen weil es in jeder Familie auch Gegner jeden technischen Fortschritts gab. Mancher Kauflustige verzichtete zu Gunsten des Familienfriedens. Ein weiteres Problem bestand darin dass erst einige wenige Sendestationen zu hören waren.

 

Ab ca. 1928 boten die Radios mehr Qualität, Lautsprecher machten Kopfhörer überflüssig. Die Geräte waren einfacher zu bedienen und dank Netzanschluss waren Batterien hinfällig. - Das Radio bestand nicht mehr aus mehreren Teilen, es war jetzt eine einzige Kiste an der die ganze Familie mithören konnte.

Von da an kam das Geschäft in Gang... und das Jahr 1929 brachte bereit erfreulichen Ertrag.  Im selben Jahr heiratete Fritz Laeng seine geliebte Marie Stucki.

In Marie Stucki fand Fritz Laeng nicht nur eine junge hübsche, sondern auch eine selbstbewusste intelligente und ideale Partnerin. Marie Laeng-Stucki war ihrem Mann bis zu ihrem Tod eine grosse Stütze in allen seinen Aktivitäten. - Sie war Herz und Seele der Firma Lenco und in gewissem Sinne auch der treibende Motor. Wegen ihrer herzlichen Art wurde SIE später von ihren Mitarbeitern Mama Laeng genannt.

 

1930 konnte trotz schwierigen Anfangszeiten das Radiogeschäft an die Friedeggstrasse verlegt werden, wo unverzüglich eine Schallplatten und Grammophon Abteilung eingerichtet wurde. Um nahe am Kunden zu sein entstand gleich im Raum hinter dem Laden das Büro und die Reparaturwerkstatt.

1932 erlebte das Radio einen Aufschwung wie nie zuvor und auch niemehr danach. In nur einem Jahr stieg die Zahl der Radio Neu-Konzessionen um 54% auf 81'379. 

1933 wurde Ende Oktober in Burgdorf im Hotel Stadthaus die erste Radioausstellung organisiert. Die riesige Menschenansammlung kam einem Volksfest gleich.

 

1935 bekam auch die Schweiz die weltweite Wirtschaftskriese zu spüren. Alle auch die Radiohändler hatten zu kämpfen. Einfache Volksempfänger konnte man für Fr. 195.-- kaufen.  Aus Geldknappheit bei der Kundschaft wurden die meisten Geräte vermietet. Um den Umsatz und Rendite zu steigern wurde für einige Jahre die Filiale eines Sportgeschäfts übernommen.

1942 konnte jedoch trotz Kriese, dank unermüdlichen Anstrengungen die Liegenschaft Friedegg käuflich erworben werden. Fortan war das ehemalige Bauernhaus Stammsitz der Firma Radio Laeng. Ein Schallplatten-Aufnahme Studio, Vorführräume, Mitarbeiterzimmer, Werkstatt, Lager und Garagen wurden eingerichtet.

Der zweite Weltkrieg fürhrte auch in der - verschonten Schweiz - zu Materialengpässen und weiteren Einschränkungen.  Um Benzin zu sparen wurden Service und Lieferwagen auf den Betrieb mit Holzkohlevergaser umgebaut und Fahrräder mit Anhänger eingesetzt.

 

1943..1944 In der Werkstatt wurde unermüdlich experimentiert entwickelt und gebaut, nicht selten bis tief in die Nacht. Von Bruno Grütter war bekannt dass er sich oft bis zum Morgengrauen in der Werkstatt aufhielt und dann am frühen Morgen pünktlich zum Frühstück am Tisch sass um anschliessend weiter zu arbeiten. Damals wohnte Bruno Grütter und andere der ersten Mitarbeiter gleich im Haus Laeng und es wurde auch immer gemeinsam gegessen. 

1945 die bisher erfolgreich konstruierten Produkte gaben den Anstoss für mehr.  

1949 In Anlehnung an das Modell A46-8 und dessen Weiterentwicklung entstand ein komplett neues Plattenspieler Chassis inklusive Tonarm Modell F50-8.

1946 Gründung der Lenco AG am 6. Dezember. 

Marie und Fritz Laeng gründen mit ihrem seit 1933 bei Radio Laeng tätigen Radiotechniker Bruno Grütter die Lenco AG Burgdorf, Fabrik für Plattenspieler und Spritzgussteile. Der ausgebildete Uhrenfachmann aus Roggwil/BE war begeisterter Hobby Radioelektriker. Er hat sich selbst über Jahre durch Fleiss und Weiterbildung zum Elektro- und Radiotechniker ausgebildet... und wurde später als langjähriger guter Freund der Familie Laeng Technischer Direktor der Lenco AG. Den Namen Lenco kreierte Marie Laeng höchst persönlich aus ihrem Familiennamen. Lenco = Laeng & CoSie wollte eigentlich Lanco, aber diesen Namen hatte sich ein Uhrenhersteller schützen lassen. Wie aus alten Zeitungsanzeigen hervorgeht erschien der Name Lenco in der Adresse schon vor der Gründung der Lenco AG.

   Marie und Fritz Laeng  Gründer der Lenco AG Burgdorf  

 

                    in Erinnerung und Anerkennung an Ihre Leistung und Ihr Lebenswerk


In der ersten Zeit produzierte Lenco auf der Hauseigenen Anlage Kunststoff- und Aluminium Spritzgussteile, Modellbahnteile, Knoblauchpressen, Musikdosen, Fotostative, Zwiebel-hacker, Bügeleisen etc.  Das wars nicht, neue Marktgerechte Produkte mussten her. Die Fabrikräume wurden erweitert um notwendige Teile selber fertigen zu können. Fritz Laeng und sein Team begann umgehend mit der Entwicklung und Produktion neuer Produkte.

 

Die erste Werkstatt von Fritz Laeng befand sich 1933 in der Platanenstrasse in der privaten Wohnung. Später in der Friedegg, Gemeinde Burgdorf. Als mehr Platz benötigt wurde bezog man im nahen Ort Hasle Rüegsau in einem ehemaligen Kühlhaus in neue Räumlichkeiten. 

Später erfolgte ein erneuter Umzug zurück nach Burgdorf. Ein zweites Werk wurde gebaut in Oberburg an der Grenze zu Burgdorf.

 

 

Fasziniert von der neuen aufkommenden Schallplatten und Tontechnik erkannte man bei  Lenco auch deren Potential worauf der Entschluss gefasst wurde eine eigene Fabrik zu eröffnen zur Herstellung von  Plattenspielern usw.

 

 

1947 wurde ein neuartiger Motor mit 78 U/min. für Schellack Grammophone konstruiert produziert und als einzelnes Bauteil an Plattenspieler Hersteller verkauft. Gleichzeitig entwickelte Fritz Laeng und Bruno Grütter weitere Motorentypen erc. ( mehr siehe Kap. 2 )

 

1948 war den beiden nicht entgangen dass die U.S. Firma Columbia Records ein neues Schallplattenformat Namens LP-33 am Markt plazierte. Neuartige Schallplatten aus Vinyl mit einer Abspielgeschwindigkeit von 33 Umdrehungen pro Minute.

Schon länger tüftelten die beiden an einem eigenen Plattenspieler Modell insgeheim auch einen neuartigen Plattenspieler.

1949 kam der erste moderne 3-Touern Plattenspieler Mod. F50 in den Handel. 

Durch die steigende Nachfrage wurde die Produktion laufend erweitert wozu am Standort Burgdorf mehrmals neue Räume bezogen wurden.

 

Gegen Ende der 1950er Jahre konnte Lenco einen Teil der Rasierklingenfabrik "Rasolette" in Miete übernehmen. 

1951-1960

1951 kann Lenco in Hasle-Rüegsau die Liegenschaft Emmenau, ein ehemaliges Kühlhaus erwerben welches als zusätzliche Produktionsstätte diente.

 

1951 Fritz Laeng erhält für sein Radiogeschäft seinen ersten Stahldraht-Recorder , ein Gerät für Tonaufnahme- und Wiedergabe. (Vorläufer der Tonbandgeräte) 

 

1953 Fritz und Marie Laeng gewinnen exlibris durch einen Exklusiv Vertrag als Lenco Vertriebspartner und Hauptabnehmer in der Schweiz. ( mehr dazu siehe Kapitel 7 exlibris ) 

 

1954 Erste Exporte nach USA

Eine Partnerschaft mit der Fa. David Bogen N.Y. wird ins Leben gerufen.

Die ersten Lieferungen betreffen die Plattenspieler F50-8 ohne Zargen, nur das Chassis.

In den USA wird das Gerät als Modell Bogen B50-4 oder B50-4X angeboten. Bogen baut dazu eigene Zargen, Koffer und Röhrenverstärker. 

 

1955 Der Lenco F50-8 hat neu 4 Geschwindigkeiten. Hinzu kam die Drehzahl 16 rpm.(U/min) Diese Drehzahl war wichtig für die damals sehr verbreiteten Sprach und Märchen-schallplatten die mit nur 16 Umdrehungen pro Minute abzuspielen waren.  

 

1955 Gordring wird Lenco General-Importeur für England, Ulster, und Irland.  Goldring war bekannt für ihre Magnet Tonabnehmer. Goldring belieferte LEAK, Goodmans, Dynatron, Portogram ...und andere Hersteller die Lenco Plattenspieler in ihre Stereocenter einbauten.  

Goldring verkauft alle Geräte als Goldring-Lenco  (L-75 = GL-75 etc.)

 

1957 Der an der Marktgasse in Bernseit 1956 versuchsweise eingerichtete Filialbetrieb von Radio Laeng wird mangels Interesse wieder geschlossen. Radio Laeng in Burgdorf wird durch Kauf der Liegenschaft des verstorbenen Fotografen Louis Bechstein vergrössert wodurch nun alles was zur Firma Radio Laeng gehört unter einem Dach vereint ist.  

1957 Der Lenco B50-16 wird präsentiert. (auf Basis des F50-8 MK2)

 

1958 folgt der F50-8 MK3 eine erweiterte verbesserte Version des F50-8.

         (ausführliche info dazu im Kapitel 3 - Reibrad Player)

1958 entwickelt Lenco in Burgdorf das erste, einzige Spulen Tonbandgerät Lenco T30 .

Alle 200 produzierten Exemplare sollten in die USA exportiert werden. Alle Geräte erltten auf dem Ozean durch ein Unglück Totalschaden. Das Projekt wurde eingestellt und nicht weiter verfolgt. ( Fotos stehen keine zur Verfügung.) 

 

1959 Einzug in den Neubau Burgdorf erfolgte am 1.Mai desselben Jahres. Nach und nach besetzten die einzelnen Abteilungen ihre Räumlichkeiten.

Hauptsitz der Lenco AG Hier wurden Plattenspieler, und andere Lenco Produkte produziert. 

Pläne Entwürfe Zeichnungen entstanden alle von Hand am Reissbrett.

400 Mitarbeiter/innen waren hier beschäftigt. In den 1970er Jahren kam die Entwicklung und Produktion diverser Cassetten Tape Decks hinzu.

 

Lenco Zweigwerk Steg

( Kanton Wallis.)

Produziert wurden hier:

Elektrische Zahnbürsten für Coop Schweiz und Braun Deutschland. Lenco Motoren, Trafo's und Printplatten...

und 1977 die L 833 DD. Beschäftigt waren hier 150 Mitarbeiter/innen.

 

1960 Der Sohn Rudolf Laeng junior tritt in die Lenco AG ein. Er übernimmt als leitender Ingenieur das Laboratorium und die Abt. Entwicklung und Konstruktion.

 

 

1961-1975

1961 am 11. Dez. wurde in Osimo

die Lenco Italiana S.p.A. gegründet.

Lenco startete als ersten Schritt einen Versuchsbetrieb und mietete dazu für zwei Jahre Fabrikationsräume in einem Gebäude einer Harmonika Fabrik, die wegen massivem Auftragsmangel ihre Belegschaft stark reduzieren musste. Für den Anfang wurden 10 ihrer Mitarbeiter von Lenco übernommen, die alle gut ausgebildet und in der Montage von Feinmechaniken versiert waren. Die erste Zeit wurden vorwiegend Kleinmotoren für Batterie und Wechselstrom produziert. Der Betrieb lief rasch zu aller Zufriedenheit und die Arbeiten kamen gut voran.

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1959-1966  für die Produktion und Montage in der Schweiz werden Plattenspieler-Koffer und Holzzargen in Skandinavien gekauft und zwei mal pro Monat durch Lenco Chauffeure in Finnland und Schweden abgeholt. 

1967-1977 Ab 1967 produzierte die Kofferfabrik EGOB AG (Kanton Basel-Land) für Lenco die Plattenspieler-Koffer und Holzzargen für Stereogeräte. Bei EGOB wurden in dieser Zeit auch die kleinen einfachen Lenco Lautsprecherboxen zusammengebaut. 

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1963 Lenco präsentiert den heute noch begehrten Studio Tonarm Lenco P-77 mit dem  darauf hin viele Plattenspieler in den Radio und Tonstudios ausgerüstet werden.

1964 Präsentation des neuen Plattenspielers Lenco B52 mit neuem Tonarm

1965 Präsentation des Lenco L77... ein L70 mit Studio Tonarm P77 

 

1967 Lenco Italia produzierte ab jetzt auch Plattenspieler.  

In Osimo wurden seit 1967-1980 jährlich für viele andere Hersteller  Cassetten-Mechaniken, Laufwerke für Blaupunk Radios und Computer Datensysteme, Cassetten-Wechsler, HiFi Cassetten Decks...etc. entwickelt und produziert. (nicht erst kurz vor dem Konkurs scheinbar zum Überleben, wie das andernorts im www behauptet wird)

1967 Lenco präsentiert den neuen L75 (der erfolgreichste Lenco Plattenspieler)

 

1968 Der Lenco B55 wird vorgestellt... neu mit Antiskating Einstellregler.

 

1969 Neuer Werkplatz in Steg wird eingerichtet... 4.August 1969 zuerst in Privatwohnung ?

1969 Die ersten Lenco Plattenspieler mit Riemenantrieb, kleine portable Geräte werden in Verkauf gebracht. Typ 690, 695, 705.

 

1970 Lenco Italia präsentiert das das neu konstruierte Mini TB, ein mini Kassettenlaufwerk welches unter anderem bis 1979 in die meisten BLAUPUNKT Autoradios eingebaut wurde, jedoch auch in den ersten Computerlaufwerken und Sprach-Labors Anwendung fand. 

 

1971 Lenco präsentiert den neuen L85 .

Riemengetrieben mit neuem Tonarm und elektronischen Abschaltsystem bezeugte er den Start der neuen Lenco Ära mit Riemenantrieb. Viskose Dämpfer an Tonarmlift und Chassis.

1971 In Steg im Wallis ist der Bau einer eigenen Lenco Fabrik im Entstehen.

 

1972 am 13. März kann das neue Lenco Werk in Steg bezogen werden. Durch die Nähe zur Italienischen Grenze finden auch vielen Frauen aus dem nahen Domodossola bei Lenco in Steg eine Arbeit. Jeden Tag werden die Mitarbeiter/innen durch den Lenco Fahrdienst am Bahnhof abgeholt und abends wieder zurückgebracht, da niemand von ihnen ein Auto hatte.

1972 im September schliesst Lenco mit der Indischen Firma Jagran Micro Motors (JMM) einen Vertrag und erteilt JMM die Lizenz zur Herstellung von Lenco Spezial Motoren, die in alle Welt an verschiedene Hersteller von elektronischen Geräten verkauft werden.

1972 im Oktober kommte der neue L78, ein verbesserter L75 in die Verkaufsregale.

 

1972 Lenco Italia stellt den Kassettenwechsler PAC-10 vor, eine weitere Lenco Neuheit. 

Die Wechsler PAC10 +PAC10MK2 wurden in Osimo entwickelt und produziert und an die Amerikanische Benjamin Electronics in N.J. geliefert wo sie in Supermärkten, Warenhäusern und Einkaufszentren zu Werbezwecken und allgemeine Beschallung eingesetzt wurden.

Ob überhaupt jemals und wenn, wie viele dieser Geräte bei uns in den Verkauf oder irgendwo zum Einsatz kamen ist mir nicht bekannt. Hinweis: 1967-1980 produzierte Lenco Italia auch für viele andere Hersteller Cassetten-Mechaniken, mini Laufwerke für Blaupunkt Radios und Computer Datensysteme, Cassetten-Wechsler, HiFi Cassetten Decks...etc. 

(nicht erst vor dem Konkurs zum Überleben, wie das andernorts im www behauptet wird)

 

1972 Lenco Italia hier wurde das Cassetten Deck Lenco C-1000 entwickelt und gebaut.

Die Elektronik stammte von HEA Wien das Laufwerk aus dem Hause Lenco Italia. Das Gerät war technisch recht gut, wurde bis ca. 1975 produziert, verkaufte sich jedoch eher schlecht wegen seiner ungewohnt "unhandlichen" Bedienung. 

Die späteren Cassetten Deck's C-1102 und C-1202 kamen von SeoUm in SüdKorea. Sie wurden in Italien fertig gebaut und von dort ausgeliefert. Als silberne Variante wurde das Modell C-1102 dann noch speziell für Blaupunkt produziert.  

 

 

1974 Lenco Italia, im Werk Osimo wird der Lenco eigene Neubau bezogen.

Nachdem sich der Betrieb seit der Gründung in Italien positiv entwickelte beschloss die Geschäftsleitung in der Schweiz die Produktion durch neue Produktionsräume zu erweitern.

Im Neubau wurde die Produktion massiv gesteigert. Lenco Italia wurde dadurch zum grössten Arbeitgeber in Osimo, beschäftigte

inzwischen rund 700 Mitarbeiter/innen. Weitere rund 100 Mitarbeiter

 

 

 

 

1974 Ein neues Produkt das Hifi-Cassetten Deck Lenco C-2003 geht im Stammhaus in Burgdorf in die Entwicklungsphase. ...Eine 100% LENCO Konstruktion prod. in Burgdorf, aufwändig und grundsätzlich in Top Qualität mit 2 Motoren-Laufwerk, 3 Tonköpfe, Doppel-Capstan Antrieb etc.

Leider als Top-Lader gebaut, mit teilweise noch techn. Mängeln. So blieb bei und nach der Markteinführung 1977 der grosse Erfolg aus, denn die Japaner hatten bereits etliche Frontlader im Angebot... Top Lader waren mit anderen Geräten nicht stapelbar. - Hinzu kamen die teilweisen Mängel, dieser eigentlich hochwertigen Geräte. Viele "frassen" das Band aus den Kassetten statt zu wickeln, weshalb etliche der C-2003 "Werk intern" nachbearbeitet werden mussten. Der Konstrukteur drängte wahrscheinlich auf die Markteinführung weil offenbar klar war, dass man den Zeitpunkt verpasst hatte.  Die Produktion wurde kurzum eingestellt. 

Hier möchte ich anfügen, dass es auch einige C-2003 gab, die einwandfrei funktionierten. Zwei dieser Geräte hatte ich drei Jahre lang täglich im Einsatz ohne Probleme. 

 

Dunkle Wolken ziehen auf

1974  27. August ... Marie Laeng-Stucki stirbt.

Marie Laeng war Herz und Seele der Firma, jederzeit unermüdlich mit aussergewöhnlicher Begabung an der Führung der Firma Lenco AG mit beteiligt. Der treibende Motor der Firma ist verstummt. Ein schwerer Verlust, menschlich wie auch für das ganze Unternehmen und ganz offensichtlich für alle ein lange anhaltender Schock.

Es scheint als gäbe es doch Menschen die nicht ersetzbar sind, auch wenn oft behauptet wird  jeder sei ersetzbar - aber Marie Laeng war es nicht.

 

Die Weltwirtschaft steckte in Schwierigkeiten, die Ölkrise bescherte uns Sonntags-Fahrverbote und leere Autobahnen. Alles das verängstigte die Konsumenten. 

Die Übersättigung des Marktes kam dazu und all die wirtschaftlichen Ereignisse liessen die Nachfrage nach Luxusprodukten wie Hifi Geräten vorübergehend stark sinken.

Ein weiteres Problem kam aus dem Land der aufgehenden Sonne. Asien überflutete Europa mit einer unüberschaubaren Menge an Hifi Geräten jeder Art. Viele relativ gut und preiswert. Das reicht um eine kleine Firma in Schwierigkeiten zu bringen was dann bei LENCO und vielen anderen Produzenten Europas zu massivem Personalabbau führte.

 

1974  7. November

Erste Hinweise deuten darauf, dass auch in Burgdorf die aufkommende Rezession ihre Spuren hinterlässt. Erste Entlassungen werden gemeldet, auch bei der Lenco AG.  

1974 wurde der Vertrag zwischen Lenco und exlibris beendet.- soweit ich informiert bin - 

 

1976  11. Februar

Fritz Laeng feiert seinen 80. Geburtstag als Inhaber und Gründer der Lenco AG Burgdorf. 

1976 Im Hauptwerk Burgdorf zerstört eine Gasexplosion Teile der Produktionsräume. Glücklicherweise kommen keine Personen zu Schaden. 

 

1977 Das neue Hifi Cassetten-Deck Lenco C 2003  kommt in den Verkauf.

 

1978 28. Februar Fritz Laeng stirbt. Der visionäre Fabrikant wurde 82 Jahre alt.  

1978 anfangs Jahr richtet Lenco bei der Firma Körting in Passau / Deutschland eine neue Produktionslinie für Plattenspieler ein. Einige Tausend Lenco Plattenspieler werden dort produziert aber auch der Firma Körting geht es wirtschaftlich schlecht, sie wird kurz darauf geschlossen, womit auch die dortige Lenco Produktion wieder endet. 

1978 25. September Die Lenco AG Burgdorf meldet finanzielle Schwierigkeiten. Hauptgrund sind der Dollarkurs und Billigprodukte aus Asien. Die Burgdorfer Behörden bieten ihre Vermittlungsdienste an. 

1978  2. Oktober In der Lenco AG in Burgdorf werden 60 Mitarbeiter/Innen entlassen. 

1978 23. Oktober Die Lenco AG Burgdorf reicht beim Richteramt Nachlassstundung ein. 

1978 17. November Der Lenco werden nur vier Monate Nachlassstundung gewährt, viel zu kurz um rettende Massnahmen herbei zu zaubern.

1978 Lenco Italiana S.p.A. in Osimo wird ab sofort als selbständige Firma weitergeführt. Ab 1980 mit eigener Produktelinie, die vorwiegend in Italien verkauft wurde. Verschiedene Plattenspieler wurden aus bestehenden Beständen neu kreiert und aufgepeppt. 

1979 11. April   Im Stadthaus Burgdorf findet die Gläubigerversammlung statt, wobei die Liquidation  der Lenco AG eingeleitet wird. Der Konkurs ist jetzt unabwendbar.  

Als Übergangslösung wird die Lenco Audio AG gegründet, deren Aufgabe es sein soll die vorläufig weiterführende Sicherstellung von Rep.- und Garantie-Service zu gewährleisten.

1980 wird die Lenco AG Burgdorf offiziell geschlossen.

1980 Die Lenco Audio AG übernimmt den Betrieb. Angefangene Projekte und offene Aufträge werden zu Ende geführt. Produziert wird jetzt nur noch Zubehör wie Lencoclean Lencobrush, Lencosweep, Lencolamp und Lencofix. Aus der Konkursmasse erwarb die Die Lenco Audio AG die noch vorhandenen Geräte. Plattenspieler L-830DD...L-744DD ...L133...L143...L236...L246...L247...und die von SeoUm Electronics aus Korea importierten 

Receiver R-600, Verstärker A-600, Tuner T-600, Cassetten Decks 1102 +1202.

Diese Geräte wurden in Burgdorf teilweise noch fertig gebaut und in Verkauf gebracht.

1981..-82 bringt die Lenco Audio AG weitere " Lenco Geräte" aus Korea ins Programm, die Modelle LA-5000, LT-5000, LC-5000.... und das LCP 1010 ein Billig Cass. Walkman.

1983 Die Direct Drive Plattenspieler LRP-5250/manuell ...LRP-5350/Halbautomat und den ...LRP-5450/Vollautomat werden durch die Lenco Audio AG in den Verkauf gebracht. Sie sind die letzten aus der Schweiz gelieferten Lenco Plattenspieler. Geordert wurden sie über die Firma Garrard (England) produziert in Japan. 

 

1983 kam die endgültige Schliessung auch für Lenco Italiana S.p.A. in Osimo. Die angestrebten Massnahmen konnten die Firma nicht retten. Das richtige Management fehlte. 1988 erfolgte die Löschung aus den Amtlichen Registern. 

Aus der Liquidationsmasse der Lenco Italia S.p.A. wurde eine Menge Material, Werkzeuge und Produktionsmaschinen durch die Lenco Audio AG in der Schweiz übernommen.

 

1984 besucht Horst Neugebauer aus Lahr /DE öfter die Lenco Audio AG. Er kauft später - nach dem erlöschen der gesamten Lenco - als erster die Lenco Namensrechte. 

1984  wurde auch die Lenco Audio AG nach erledigter Arbeit wieder aufgelöst.   

 

In den 1970er Jahren, lange bevor sich der Konkurs abzeichnete kaufte Lenco Elektronik in Asien ein, teilweise mit wenig Erfolg. Bei ganzen Lieferungen aus Asien war die Elektronik im Gerät nicht verkabelt. Die Geräte mussten deshalb bei Lenco vor deren Auslieferung noch verlötet werden. (teilweise ohne Schaltpläne) da dies in Korea ganz einfach "oder Standardmässig" vergessen wurde... von Endprüfungen ganz zu schweigen. Betroffen waren vor allem die Modelle  Lenco A50 / T30 / R25 / R50. Alle auch die A600 / T600 / R600 alle bei SeoUm Korea produziert. 

 

Späte Ehre für Marie und Fritz Laeng.

Das Institut für Industrie und Wirtschaft in Osimo wurde im Jahre 2010 zu Ehren der ehemaligen Lenco Fabrik und Ihrer Inhaber umgetauft in:  Istituto Maria Laeng.

 


 

Bis zum bitteren Ende der Lenco Schweiz im Jahre 1978 war die KOMET Radio AG

ein langjähriger Partner von Lenco. 

Die einzige Radiofabrik im Kanton Glarus.

 

erfahren Sie mehr

über die KOMET Radio AG 

 ...klicken Sie auf das KOMET Logo 



 

Bei LENCO entworfen und gebaut wurden auch allerlei Variationen Stereo Music-Center, 

Kombigeräte mit eingebautem Verstärker, Plattenspieler und z.T. auch Radioempfänger.

 

Lenco Plattenspieler mit Verstärker

L-350, L-500, L-750, L-900, L-930... (inkl. FM Radioteil)

Lenco Stereo Center mit Radio und Cassettenrecorder.

L-3000,  L-3500,  L-3600,  L-4000,  L-8000,  L-9000, 

Studio 3000,  Studio 3040 usw. ( einige wurden identisch auch bei HEA gebaut )

 

Lenco Lautsprecher wurden zur Montage auch an andere Unternehmen abgegeben, so wurden z.B. in der Kofferfabrik EGOB AG (BL) und bei der Fa. Zehnder AG in Sissach Lenco Boxen mit den angelieferten Einzelteilen fertig montiert. Zehnde montierte für Lenco auch Kompaktanlagen.  ...und kaum jemand weiss dass hochwertigere Lenco Boxen bei Revox in Löffingen/DE produziert wurden, so z. B. alle Boxen mit der Bezeichnung Studio.

Baugleiche Boxen lieferte STUDER an die MIGROS (MEL-60 / melectronic Studio 140 u.ä.) Das war die Zeit als es Revox auch nicht mehr so gut ging, jeder Auftrag war willkommen um die Arbeiter zu beschäftigen. Revox Besitzer Willi Studer tat jeweils alles damit er keine Mitarbeiter entlassen musste. 

 

Die Musik Center Lenco L350, L500, L600, L750, L900, L930 haben alle die Elektronik von HEA Wien... genauso wie alle identischen Geräte von HEA selbst. 

 

Die "neueren" L3000 / L3500 / L3600 / L4000 (1975-77) mit dem Plattenspieler L65+L84 hatten die Elektronik definitiv nicht mehr von HEA. Wahrscheinlich zugekaufte Bausteine, möglicherweise von Schneider oder WHD Deutschland. 

Die Elektronik der Lenco L4000 besteht aus modularen Baugruppen, alle Module sind in deutsch beschriftet. Schneider hatte eine mit der Lenco L4000 sehr ähnliche Anlage im Programm. - Ganz anders die Lenco L3500 deren Innenleben eindeutig asiatische Züge aufweist. ( mal schauen was weitere Recherchen ergeben ?) 

Frühe Lenco Geräte wurden durch die Zusammenarbeit von Lenco/HEA in Oesterreich auch unter dem Label Donauland angeboten. Donauland Schallplatten Club in Österreich, etwa vergleichbar mit Ex Libris in der Schweiz.   

 

Lenco L75 + L78 mit S-Tonarm wurden ausschliesslich in Italien gebaut.

Besonderes Merkmal: S+SE Modelle haben nur 3 Geschwindigkeiten... einige Modelle sogar nur deren zwei 33+45 rpm. (16rpm fehlt weil Sprachplatten nicht mehr aktuell waren)

Man erkennt die Lenco Plattenspieler aus italienischer Produktion leicht

am Schriftzug LENCO of Switzerland = made in Italy. - 

Original hatten die Geräte aus Italien auch immer den feingerippten Plattenteller Gummi.

In der Schweiz hergestellte tragen die Bezeichnung Lenco made in Switzerland 

 

Richtigstellungen

Lenco war nie eine Handelsmarke der MIGROS.

Das im Internet weit verbreitete Gerücht, Lenco sei in den 1980er Jahren nur noch eine Handelsmarke des Grossverteilers MIGROS Schweiz gewesen ist komplett falsch. 

1. niemals und erst nicht in den 1980er Jahren denn... die Fa. Lenco AG in der Schweiz

    existierte da gar nicht mehr. (Konkurs 1978/79) 

2. weil der Markenname Lenco bereits 1984 an die Fa. Horst Neugebauer in Lahr/DE

    veräussert war.   

3. Die MIGROS verkaufte als Generalvertrieb Lenco Geräte seit den 1950er Jahren bis 1980

    über ihre Tochter Firma ExLibris. ( Buch und Schallplatten Club ExLibris) 

ExLibris ist seit 1972 und nach wie vor ein 100% Tochter-Unternehmen der MIGROS und der grösste Schweizer online-Versand Händler für Schallplatten, Videospiele, Bücher, DVD 

 

Richtig ist dass die Lenco Plattenspieler bis zum Ende der Firma Lenco in der Schweiz exklusiv über den Buch und Schallplatten Club ExLibris verkauft wurden, gemäss einem Vertrag den die Lenco-Gründer Marie und Fritz Laeng mit ExLibris abgeschlossen hatten 

Alle von exlibris verkauften Geräte liefen unter dem Label exlibris und exlibris KOMET. 

Ausserhalb der Schweiz 

wurden alle Lenco Plattenspieler ganz normal unter dem Markennahmen Lenco verkauft. 

 

Falsch ist ebenfalls folgende Behauptung

Die Rank Gruppe war nie Eigentümer von Lenco. (wie es einige behaupten)

Die RANK Organisation hatte nur das exklusive Lenco Vertriebsrecht für Deutschland und Nordeuropa. (RANK-Arena Vertriebsbüro Hamburg)

So hatte RANK-Arena auf dem preiswertesten Weg Zugang zu den Lenco Plattenspielern, weshalb man diese selbstverständlich in den 1970er Jahren auch in die eigenen Musikanlagen einbaute. ( bis 1975 die Produktion RANK Arena in DK geschlossen wurde )

  

Lenco und der Radio-TV Fachhandel in der Schweiz

Fachhändler verkauften die Lenco Player unter dem Namen APCO. Die Geräte wurden über den Grossimporteur und Fachhandels Lieferanten Apco AG Zürich an den Fachhandel geliefert. Lenco versah alle Plattenspieler mit dem Label Apco... die Elektronik wurde bei der KOMET Radio AG produziert.    ( so wurde  der Lenco L75 zum Apco A75 usw.)

 

Falsch ist ebenfalls dass angeblich TESLA (CZ) für Lenco Burgdorf produzierte

Die LENCO AG in Burgdorf liess nie bei Tesla produzieren... alle Lenco Plattenspieler wurden in den eigenen Werken in der Schweiz und Italien produziert. 

 

Erst nach dem Konkurs der Lenco AG Burgdorf / Schweiz

erschienen zwischen 1984 und 1990 auf dem Markt Lenco Plattenspieler aus der Produktion der Tesla, später SEV Litovel (CZ). In Auftrag gegeben wurden diese Geräte von den neuen Besitzern der Lenco Namensrechte und anderen Firmen durch Lizenzvergabe. 

So die Mod. Lenco L800..=Tesla NC470..   Lenco L430.. / L450.. =Tesla NC450.. 

Lenco L435 =Tesla NC580/HC58.. - (meist orig. Tesla Modelle mit geänderter Bezeichnung, wie sie auch an NAD und andere geliefert wurden)

 

Geschäftliche Beziehungen pflegte Lenco in Europa zur Rank Gruppe, in England zu Goldring und GARRARD, die verkauften im Königreich auch LENCO Geräte und liessen welche bei Lenco produzieren.

In den USA war es vorwiegend die Fa. David Bogen in N.Y. und Benjamin Electronics in N.J. Apollo Electric wurde durch Bogen beliefert. 

 

Ein langjähriger Geschäftspartner waren die HEA Werke in Wien.

HEA =  Houben Elektro Akustik

 

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Im Jahre 1967 kam der heute noch legendäre Plattenspieler LENCO L-75 auf den Markt, der meistverkaufte aller Lenco Modelle. Zusammen mit Modellen anderer Hersteller führte er einige Jahre die Liga der Plattenspieler an.

Der L75 ist - wenn richtig gewartet - ein super Plattendreher...

aber echt kein potentieller Studio-Plattenspieler ...auch wenn ihn manche Vertriebs-Organisationen in ihren Prospekten früher als Studiogerät angepriesen haben.

(aber für den Studio Dauerstress müsste er schwerer und stabiler gebaut sein)

Daran dass in der Werbung seit ewigen zeiten masslos übertrieben wird sind wir uns inzwischen gewohnt.... ist also nichts neues.

...dennoch war dieser robuste aber doch eher filigran gebaute L75 teilweise auch in verschiedenen Radio- und Tonstudios zu finden, so auch in den Abbey Road Studios in London wo einst die Beatles ihre Songs aufnahmen waren die L75 einige Zeit vertreten. 

 

...In den unzähligen Discotheken und Tanzstudios die damals wie Pilze aus dem Boden schossen war der Lenco L75 Dauergast und absolute Spitze als beinahe unverwüstliches präzises Arbeitstier, nur mit ihm konnte die Geschwindigkeit stufenlos geregelt werden... und nach Verschleiss war er ohne viel Aufwand und finanzielle Investition zu ersetzen. 

 

Lencos waren genau das was alle wollten und deshalb war ein Lenco für viele genau das Richtige... Ein Gerät wie den Lenco L75 gab es von keinem anderen Hersteller.

 

Sein Teller ist 4Kg schwer, Ø 312mm, ausgerüstet mit einem - wenn gepflegt präzisen Tonarm (auch hier gibt es andere Meinungen) mit schraubbarer Wechsel-System-Halterung inkl. hochwertigem SHURE Tonabnehmer-Systemen damals ein MUSS für jeden Schallplattenfreund. 

Manch einer meckerte dass die Schrauben in der Head-Shell beim häufigen Magnetsystem-Wechsel nicht lange halten würden. (logisch wenn man an diesen "mikro-Dingern" dauernd rumschraubt. ...ist bei anderen genauso)

Die lieben Leute hatten das System leider einfach nicht begriffen !   

Die Wechsel-Halterung ist dazu da, dass man unterschiedliche Abtastsysteme auf verschiedene Tonkopf-Halterungen montiert... und bei Bedarf sind die in Sekunden leicht zu wechseln. - Zudem muss jedes Abtastsystem nur einmal richtig in der Shell justiert werden ...pasta. Man kaufte halt eben 2-3 verschiedene der Alu Head-Shells. So werden zusätzlich die Magnet-Systeme vor mechanischer Beschädigung geschützt. (später war dies bei allen Jap. Herstellern genauso). Lenco war diesbezüglich anderen doch etwas voraus (?) 

 

Rationale Produktionsmethoden und ein Top Management führten - zumindest in diesen Jahren - die Firma weiter nach oben. Um der stetigen Nachfrage gerecht zu werden wurde Anfang der 1970er Jahre eine weitere Produktionsstätte gegründet, im Rhonetal in dem kleinen Ort Steg (Kanton Wallis), nahe der Grenze zu Italien. Auch viele Frauen aus dem benachbarten Domodossola (Italien) fanden hier nun einen Arbeitsplatz. 

In guten Zeiten betrug die gesamte Belegschaft der Lenco AG gut und gerne um die 1200 Mitarbeiter/Innen. LENCO produzierte in allen drei Werken (Burgdorf/Steg/Osimo) Plattenspieler und Zubehör für die ganze Welt und exportierte in den 1960er/70er Jahren in über 80 Länder der Erde. 

Die von selbsternannten "Hifi-Besserwissern" ins Internet gesetzten Behauptungen, Lenco sei kaum bekannt gewesen, wird auch durch diese Tatsache eliminiert.

Solche Aussagen sind sowieso absoluter Quatsch. 

  

Lenco verkaufte bereits ab 1952 zig Tausende Plattenspieler nach USA Canada Australien und in ganz Europa. Der Markt in Frankreich wurde über die Firma Jaques Barthé in Paris bedient, einer der ganz grossen der Branche in Frankreich..

Geliefert wurde an: die Firma David Bogen, Apollo Electronic und einige andere in den USA. In England an Goldring, Goodmans, LEAK, Grant, Portogram... und sogar für SONY Japan wurde 1967 der B55 in einer Sonderversion produziert.  

 

Deutschland und Frankreich waren der grösste Absatzmarkt in Europa und weitere 80 Länder weltweit. ( auch dazu kursieren diverse falsche Behauptungen in Internet Foren )

 

Den Vertrieb für Deutschland übernahm um 1961/62 die Firma H.ROSS & Co.GmbH in Frankfurt/M. Später Interphone GmbH / Frankfurt a.M.,

ab 1972 die Englisch/Dänische RANK Gruppe, Produzent und Vertriebsorganisation (später RANK-ARENA). Die RANK Gruppe managte über ihr Verkaufsbüro in Hamburg den Vertrieb der Lenco Plattenspieler für ganz West-Deutschland und Skandinavien.

Gleichzeitig lieferte LENCO auch Einzel-Chassis für den Einbau in die von RANK-ARENA gebauten Compact-Stereo-Center. 

 

Der Unterschied... Lenco... KOMET... exlibris

Geräte welche von exlibris vertrieben wurden trugen den Namen exlibris Komet. Sie waren mit hochwertiger Elektronik welche von der KOMET Radio AG im Kt.Glarus produziert wurde ausgestattet. 

Wohingegen die Lenco Anlagen L600 - L500 - L750 - L900 -L950 bis zum Studio 9000.. alle die Elektronik der Firma HEA in Wien beinhalten. 

1976 wurde im Werk Italien der L-76 und L-76S produziert, ein leicht modifizierter L-78 in schwarz... der L-76S mit jap. S-Arm von Jelco. 

 

Der fatale Fehler    ...oder wirtschaftlicher Suizid ?

Zu Beginn der 1970er Jahre arbeiteten Ingenieure bei LENCO an der Entwicklung eines Direktantriebs. In Ihren Augen war dies die ZUKUNFT der Lenco Plattenspieler.  

Der Ing. E. Langenbacher entwickelte den ersten Lenco Direct-Drive Motor.

Der neu entwickelte Lenco Direct Drive Motor stand 1975/76 einsatzbereit zur Verfügung. Doch aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen war die Geschäftsleitung offenbar der Meinung dass der Direct Drive Plattenspieler keine Zukunft habe, weshalb das Lenco Patent für den DD Motor verkauft wurde ? ( vielleicht waren es auch finanzielle Gründe ?)

Sie glaubten wohl nicht an diese Technik... oder war ihnen der Motor nicht gut genug ?  Der wirkliche Grund ist nicht bekannt. 

Ein fataler Fehler der wahrscheinlich den Untergang der Firma zusätzlich beschleunigte... und die Frage taucht auf, hätte die Firma vielleicht noch gerettet werden können, hätte man sofort reagiert und die Voraussicht der Ingenieure befolgt. ? wir wissen es nicht. (die ab 1978/79 einsetzende "Hi-Fi Krise" war auch schon leicht absehbar).  

 

1977 präsentierte Lenco dann doch noch ihre neuen 

Direct Drive Modelle L744DD / L833DD / L830DD. Entwickelt und gebaut bei Lenco in der Schweiz, (teilweise im Werk Steg im Wallis) doch der DD-Motor stammte nun von Matsushita (Panasonic) Japan. In nur geringen Stückzahlen wurden diese Modelle noch gebaut... aber noch im selben Jahr kreiste der Pleitegeier über Lenco. ( Konkurs 1979 )

Die Restbestände aus der Konkursmasse (Liquidationslager) wurden durch die Lenco Audio AG noch in den Handel gebracht.

Heute sind die L744DD / 833DD gefragte Oldies und Sammlerstücke. 

  

Lenco kommt in fremde Hände 

Ab Mitte der 1970er Jahren überschwemmte Asien den Weltmarkt mit unüberschaubaren Mengen an Direct Drive Plattenspielern. 

Lenco hätte ebenso die ersten Plattenspieler mit Direktantrieb in grosser Zahl plazieren können wenn man rasch genug reagiert hätte, aber offensichtlich fehlten mutige und visionäre Entscheidungsträger wie Fritz und Marie Laeng es gewesen waren.

Lenco erholte sich von der Ende der 1970er Jahre einsetzenden Hifi-Krise nicht und musste im Jahre 1978 Konkurs anmelden.  

Das Lenco Werk in Osimo (Italien) wurde als eigenständige Firma "Lenco Italiana S.p.A." 

weitergeführt und produzierte weiterhin Plattenspieler... lancierte neue aus Asien zugekaufte Produkte, Verstärker, Tuner etc. und versuchte sich über Wasser zu halten.

Das ging drei Jahre mehr schlecht als recht bis 1983 auch die Lenco Italiana geschlossen werden musste und der Name Lenco eine Weile verstummte. 

Gemäss Handelsregister muss es in Burgdorf nach der Lenco Audio AG noch eine  "wahrscheinlich als weiterer Retter fungierende" Firma Lenco Systems AG gegeben haben... die jedoch gem. Handelsregister auch wieder aufgelöst wurde. ( das ist noch nicht 100% klar... wird noch recherchiert )

 

Lenco und die neuen Besitzer  (ab 1984) 

Die Firma Horst Neugebauer KG in Lahr (DE) übernahm nach der vollständigen Schliessung der Lenco Fabriken den Markennamen LENCO und verkaufte unter diesem Label ein paar Jahre jede Menge Elektronik-Produkte... die mit den ehemaligen Lenco's überhaupt nichts gemeinsam hatten... scheinbar mit mässigem Erfolg.

Neugebauer verkaufte die Lenco Namenrechte auch an andere Hersteller, woraus - eine gewisse Zeit lang -  ein buntes Durcheinander verschiedener "Lenco" Produkte resultierte.

Die Horst Neugebauer KG wurde am 30. April .2007 aus dem Handelsregister gelöscht... zwischenzeitlich auch alle Firmen die irgendwie was mit Lenco zu tun hatten, wie auch die einst gegründete Lenco Electronics GmbH in DE usw.  

 

Am Rande noch erwähnt...

Otto Versand Hamburg erwarb UHER Namen-Lizenzen und liess die UHER Reference 1 in Asien bauen (baugleiche Modelle wie die Lenco Acoustic Research Serie), und dies noch bevor Harman eine UHER Lizenz besass. - Auch Conrad Electronic bot baugleiche Geräte an. - Die gleichen Geräte findet man ebenso mit Namen Palladium von Neckermann, Universum von Quelle Versand Fürth, Life von Intermarket Hamburg, PHILIPS, HanTOR,  usw.  Spätere von Harman verkaufte UHER Geräte wurden bei Harman Deutschland entwickelt und in Asien gebaut. 

INKEL Korea war Lieferant, die produzierten baugleiches für Uher- Philips-Palladium usw. 

Alle kamen aus Süd-Korea von HanTOR,  SeoUM und GoldStar (heute LG).... so z.B. die Universum Hifi-Dynamic Serie von QUELLE. Der Industrie Konzern LOTTE mit ca. 60'000 Mitarbeitern in SüdKorea war bei der Produktion dieser Geräte ebenfalls stark beteiligt. 

 

 

Die letzte erfolgreiche Übernahme

wurde im Jahre 1992 vorgenommen durch die STL Group BV in Venlo (NL) mit über dreissig Jahren Erfahrung in der Unterhaltungselektronik. STL übernahm die gesamten Aktivitäten der Firma Lenco und ebenso auch den Markennamen Lenco.

So wurde der Name Lenco wieder erfolgreich.

 

Heute finden wir "die neuen" Lenco an der Adresse:

 

LENCO Benelux BV   ( lenco.com  /  lenco.eu  /  lenco.de )

Thermiekstraat 1a

6361 HB Nuth

The Netherlans