wie ich Ihn persönlich in Erinnerung habe

 ...hochbegabt und Autodidakt der

aus dem "Nichts" einen Weltkonzern schuf

der seine ganze Kindheit Schule und Jugendjahre

bei uns im Oberaargau ( Kanton Bern / Schweiz )

im damals 1600 Seelen-Dorf  Lotzwil verbrachte.

 

 

 

Das aussergewöhnliche Leben und Werk des

Dr. h.c. Willi Studer ( *17.Dez.1912 - ✝︎01. März 1996 )

 

Gründer und Alleinbesitzer des Weltkonzerns 

                     STUDER-REVOX (1948 - 1994)

 

Einführung

Der hier vorliegende Erlebnisbericht zur Person Willi Studer entstammt meinen langjährigen Recherchen und Aufzeichnungen. Einiges aus persönlichen Gesprächen mit Willi Studer, aus Befragungen von Mitarbeitern, Kennern und vom Untergang der Firma betroffenen. Wie bereits angedeutet hatte ich in den 1970/80er Jahren das Vorrecht Willi Studer persönlich kennen zu lernen.  

Über dreissig Jahre beschäftigte ich mich als Dipl. Elektroniker in der Audiotechnik mit der Entwicklung und Konstruktion verschiedener Geräte für die Musik und Orchesterelektronik. 

Vorwiegend Beschallungsanlagen, Lautsprecher, Echogeräte, Verstärker, in den 1970/80er Jahren auch verschiedene Geräte für die Kommunikations- und Messtechnik.

 

Meine erste Begegnung mit Willi Studer war 1971. Zusammen mit einem Kollegen (damals Revox Händler) war ich eingeladen zur Betriebsbesichtigung. Das zweiter Zusammentreffen mit Willi Studer war 1977 bei der Eröffnung des neuen STUDER-REVOX Produktions- und Verwaltungsgebäudes. 1980 war ich nochmal zu Besuch mit einem Arbeitskollegen. Bei dieser Führung wurde uns das neue Cass.Deck B710 gezeigt, welches dann 1981 in den Verkauf gelangte.

 

Bei diesen Treffen war ich überrascht wie bescheiden dieser Mann war über den ich alles gelesen hatte. Den ich für sein unaufhaltsames Streben bewunderte. Der Mann der trotz einiger Niederlagen immer wieder weiter machte.

Der Mann der das Glück hatte als wirklich "hochbegabter" geboren zu sein, auch wenn sein gesamtes Umfeld dies nie wirklich wahrgenommen hat.

Der Mann der aus dem "Nichts" einen Weltkonzern erschuf... obwohl er (echt genial)

nie eine Uni besucht und nie ein Diplom erworben hat ! In seinem Wesen war er stehts freundlich und überaus anständig. Er wirkte jederzeit ruhig und besonnen, was er sagte und tat war wohl überlegt. Zu seinen Mitarbeitenden hatte er ein ausgezeichnetes Verhältnis. und er war besessen von der Idee nur die besten Geräte von allerhöchster Qualität in den Handel zu bringen. Das gelang ihm ausgezeichnet wie es die vielen noch in Betrieb stehenden STUDER & REVOX Geräte auch weit über 20 Jahre nach Schliessung der Produktion bestätigen.

 

Er freute sich zu hören dass ich aus dem Ort komme wo er als junger Mann im Geschäft von Otto Roth einige Monate Radios reparierte, sagte jedoch auch dass dies für ihn keine wirklich produktive Zeit gewesen sei.

Bei einem unserer kurzen Gespräche hat er mir verraten dass er die "Berner Gemütlichkeit" eigentlich immer noch in sich habe. Auf meine Frage weshalb er schon als junger Mann Selbständig sein wollte sagte er:

Er habe sich eigentlich nie so recht dazu geeignet ein Befehlsempfänger zu sein, das sei ihm dann im Militärdienst nochmal so richtig bewusst geworden und ebenso bei seinen früheren Arbeitgebern.   

 

 

1912 - 1928   Kindheit Jugend- und Lehrzeit

Wilhelm Mosimann erblickte am 17. Dezember 1912  das Licht der Welt 

in der Schweizerischen Pflegerinnenschule Zürich. Sein Start ins Leben war in dieser Zeit alles andere als gut. Für seine unverheiratete Mutter Emma Mosimann die nun ein uneheliches Kind hatte war es eine Katastrophe. Sowas wurde zu dieser Zeit als Schande angesehen und man liess es diese Frauen auch spüren. Dass der Vater des Kindes nie bekannt war interessierte niemanden. ( vergewaltigte Frauen waren ja "selber schuld" ).

Die junge Emma Mosimann war zu dieser Zeit völlig mittellos und nicht in der Lage ein Kind gross zu ziehen. So wurde sie von den Behörden gezwungen den Kleinen zur Adoption frei zu geben. Das Kind wurde ihr "wie verordnet" (wie vielen Müttern in ähnlicher Situation) einfach weggenommen.

Emma Mosimann war in Sumiswald Kanton Bern beheimatet. 

Aus diesem Grund waren die Kantonalen Berner Behörden zuständig, für den Knaben eine neue Familie zu finden.  Hunderte Jungen und Mädchen kamen in der Schweiz bis 1974 als "Verdingkinder" zu irgendwelchen fremden Familien, wurden "verdingt" wo sie weder Liebe und Zuneigung erfuhren und auch keine Rechte hatten.

Viele dieser Verdingkinder hatten keinen Familienanschluss, teilweise nicht mal ein eigenes Bett. Nicht wenige von ihnen mussten im Stall bei den Tieren schlafen. Viele dieser Kinder wurden als Arbeitskraft ausgenutzt, misshandelt und sexuell missbraucht. Nur wenige hatten das Glück wie eigene Kinder in einer liebevolle Familie aufgenommen zu werden.

 

Glücklicherweise ereilte den kleinen Wilhelm Mosimann kein solches Schicksal.

Nach der Geburt kam er kurze Zeit als Pflegekind zu einer Familie Müller, dann fanden die zuständigen Behörden einen Platz im Kanton Bern. 

So wurde der 6 Monate alte Junge im Sommer 1913 seiner neuen Familie überbracht. Dies waren Gottfried und Rosette Studer in der kleinen Gemeinde Lotzwil im Oberaargau.

Die beiden freuten sich sehr über "ihren Sohn" und waren ihm auch zeitlebens liebevolle Etern. Gottfried Studer war selbständiger Geschäftsmann. Er hatte eine Möbelschreinerei in der er meist im Kundenauftrag hochwertige Möbel produzierte.

 

Hier verbrachte Wilhelm seine Kinder- und Jugendzeit. Absolvierte die oblogatorischen neun Jahre Primarschule immer mit höchsten Noten als bester Schüler von allen die je diese Schule besucht haben. Aber niemand erkannte dass dieser Junge hochbegabt war.

Studers waren bestrebt Willi zu adoptieren. 1927 wurde die Adoption bestätigt. Ab diesem Zeitpunkt nannte sich Wilhelm nur noch Willi Studer.

Willi musste in Vaters Schreinerei oft mithelfen. Gottfried Studer lehrte seinem Sohn den Umgang mit Holz und allerlei Werkzeugen. Vor allem wurden ihm auch Vaters Prioritäten beigebracht. Dies waren Disziplin, Fleiss, Pünktlichkeit und Präzision. Auf diese Weise hat sich Willi schon früh die Eigenschaften des Vaters einverleibt und wichtiges fürs Leben.

 

Willi hatte jedoch auch andere Interessen, eine Leidenschaft der er sich in jeder freien Minute widmete. Die aufkommende Radiotechnik interessierte ihn mehr als alles andere. Bei jeder Gelegenheit bastelte undbaute er Radioempfänger usw. Für den hochbegabten Willi gab es deshalb auch nie die Frage was er werden wollte... ihm war das klar.

 

1928 begab sich Willi Studer nach Wabern bei Bern und begann dort eine Ausbildung zum Elektrofeinmechaniker (Radiotechniker).  Seine Lehrzeit wurde jedoch bereits gegen Ende des Jahres 1929 vorzeitig beendet... Begründung des Chefs:

Weil ihm der Lehrmeister nichts neues mehr beibringen konnte, da Willi Studer bereits über alle (damals) vorhandenen technischen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügte.

 

1929 das Jahr war bald zu Ende als Willi Studer von Wabern wieder zurück kommt nach Lotzwil zu den Eltern wo er weiterhin wohnt. Er fand sofort eine Anstellung nur zwei Dörfer weiter in Herzogenbuchsee im Foto- und Radiogeschäft von Otto Roth. Hier musste er Tag für Tag Radios reparieren wodurch er total unterfordert war. 

 

"Anmerkung": ..wie oft Radioapparate damals wohl defekt waren. Denn in dem kleinen Foto-Radio Geschäft waren 1930 neben Willi Studer noch sieben weitere Angestellte beschäftigt.

 

Doch das passte Willi Studer nicht. Er erledigte diesen Job bloss um Geld zu verdienen.

ER wollte nicht dauernd reparieren... ER wollte konstruieren. 

 

1931 Aus diesem Grund verliess Willi Herzogenbuchsee und nahm eine Stelle an beim damals grössten Radiogrossisten der Firma Bansi-Ammann AG in der Hoffnung in einer grossen Firma weiter zu kommen.

Aber hier ging es genau so weiter wie bisher. Er hatte nichts anderes zu tun als Radios reparieren, er war masslos unterfordert. Die freie Zeit in der Werkstatt ermöglichte ihm jedoch sich autodidaktisch weiterzubilden.

Daraus folgte die Entwicklung eines eigenen Radioempfängers Namens TELL.

Sein Arbeitgeber war jedoch nicht bereit dieses von Willi konstruierte Radio zu bauen.

Das hiess für Willi einmal mehr... Arbeitgeber verlassen, andere Möglichkeit suchen.

 

Umsonst war der Abstecher zur Bansi-Amman dann doch nicht. Denn hier in Zürich lernte Willi Studer seinen Schatz kennen, Margrith Beck, die Tochter des aus Deutschland stammenden Schreinermeisters Hermann Beck, der genau wie Willis Vater eine eigene Möbelschreinerei hatte. Margrith war fünf Jahre älter als Willi. Die beiden verliebten und verlobten sich bald darauf.

Der junge Willi Studer spielte mit dem Gedanken sich selbständig zu machen, da niemand sein TELL Radio produzieren wollte. Nach etlichen Überlegungen und Gesprächen mit Eltern und Schwiegereltern gründete Willi mit geliehenen 3000 Franken vom Schwiegervater in Lotzwil im Juni 1932 sein erstes Unternehmen Helvetia-Radio-Fabrik.  Hier produzierte der erst 19 jährige Willi Studer sein TELL Radio. Aber es gab ein Problem. Willi verwendete nur auserlesene Bauteile von höchster Qualität wodurch seine Epfänger allen anderen technisch und qualitativ überlegen waren... aber deswegen auch teurer.

Das streben nach Perfektion wurde Willi zum Verhängnis. Die Geräte waren zur Hauptsache Produkte für Privatkunden, die nicht gewillt waren diesen Preis - nahezu ein Monatsgehalt - zu bezahlen. Qualität war damals kein Thema, Hauptsache es tönte aus dem Lautsprecher.

 

Willi Studer bildete sich immer weiter unter anderem zum Radiotechnischen Leiter. Doch die

Geschäfte mit dem TELL Radio liefen schlecht, zusätzlich durch die sich verschlechternde Wirtschaftslage. Am 14. April 1934 musste Willi beim Konkursamt Aarwangen Konkurs anmelden. Margrith Beck bezahlte die beim Amt offene Forderung von Fr. 680.-- wodurch Willi Studer wieder frei war.

Noch im selben Jahr 1934 heiratete Willi seine geliebte Margrith. Die junge Familie wurde mit zwei Töchtern bereichert.

Das TELL Radio Projekt war für Willi abgeschlossen. (einige Mod. der TELL Radios wurden später von der Schweizer Radiofabrik Paillard produziert).

 

Nun durchläuft Willi Studer eine Reihe verschiedener Anstellungen, immer in der Hoffnung in einem dieser Betriebe Beruflich weiter zu kommen. Hermann Holzheu (Vater des sehr erfolgreichen Unternehmensberaters Harry Holzheu) war ebenfalls ein Freund Studer's.

 

1938.. Hermann Holzheu übernimmt 

die 1930 vom damals erst 33 jährigen Hans Kull gegründete Vertriebs-Firma Hans Kull AG (spätere Umbenennung in Sondyna AG) in Zürich. Der Geschäftsmann Hans Kull importierte und verkaufte bis ca. Ende 1938 sehr erfolgreich Radio Modelle der Marke Loewe aus Deutschland. Dies brachte der Familie bereits in jungen Jahren einen gewissen Wohlstand, der zumindest zu einem Teil auch seiner tüchtigen Ehefrau zu verdanken war, die ihren Mann sowohl beim Aufbau der Firma wie auch als kompetente Geschäftspartnerin vertrat, während der schwierigen Zeit als ihr Gatte 1939 infolge Mobilmachung wegen Ausbruch des 2. Weltkrieges Militärdienst leisten musste. Die Techniker bei Sondyna bauten ab 1935 Mittel- und Langwellen Radios. Auch gelungen war Hans Kull ein Geschäft über die Lieferung eigens bei Sondyna gebauten tragbaren Sende-Empfangsgeräte und Kurzwellen Peilempfänger für die Schweizer Armee.

 

1938 SONDYNA AG unter der Leitung von Hermann Holzheu. Man beginnt unverzüglich mit der Entwicklung und Bau neuer Sondyna Radiogeräte. 

Chefkonstrukteur wird kein geringerer als Willi Studer, der innert weniger Jahre viele der sehr erfolgreich verkauften Sondyna Radios konstruierte.

Das brachte auch den Familien Studer und Beck wirtschaftlichen Erfolg. Studer's Eltern konnten nach Zürich umziehen wo der Vater lange Zeit in seiner Schreinerei die kunstvollen Holzgehäuse für Sondyna Radios produzierte.

Willi war bei der Sondyna AG bis etwa im Frühjahr 1941. Danach musste ER für acht Monate zur Armee. Hier war er zuständig für die militärische Kommunikationstechnik, ER hatte Sende- und Empfangsanlagen in Betrieb und Stand zu halten.

 

 

 

 

 

 

Willi Studer 1942


Nach dem Militärdienst bekam Willi Studer erneut einen Posten als Chefkonstrukteur und Betriebsleiter. Diesmal bei der Schwachstromtechnik AG in Zürich. Hier entwickelte und konstruierte Willi Studer Radioempfänger und Verstärker der Marke TELEVOX.

Aber auch diese Tätigkeit kam Willi Studer's Zukunfts-Vorstellungen nicht entgegen. Er verliess die Schwachstromtechnik AG etwa gegen Ende des Jahres 1942.

 

 

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