BERNINA Kniehebel  und seine Funktionen

Wichtig: Der Kniehebel der elektronischen Maschinen passt nicht an die Oldtimer. 

Die alten BERNINA der 1950er Jahre hatten einen Kniehebel als Motor-Starter, viele hatten damal noch kein Fusspedal.                              

Ab dem Jahre 1963 wurde die 730 Record Standardmässig mit Fusspedal geliefert. Sie war jedoch weiterhin nach Wunsch mit dem Kniehebel erhältlich. Der Kniehebel der 730 Record hatte nun eine "neue Funktion". Der mit dem Knie zu bedienende Hebel hatte nun die Funktion als Fuss-Lift.. oder auch Nähfuss-Heber genannt.  Hinweis: in alten Anleitungen wird dieser Nähfuss-Lift altertümlich als Lüfter oder Fusslüfter bezeichnet. Ein Lüfter ist ein Ventilator und hat nach neuzeitlichem Verständnis nichts mit einer Hebe-Mechanik zu tun.

 

Kniehebel-Starter

an der 530 Record

Die ersten BERNINA Modelle ab 1943 hatte zum Starten kein Fusspedal. Der Motor und damit die Nähgeschwin-digkeit wurde mit dem rechten Knie über einen sogenannten Kniehebel gestartet und geregelt.

 

 

 

Kniehebel-Fusslift an der

830 Record

1963 der neue Kniehebel an der 730 Record.

...jetzt als Näh-Fuss-Lift.

 

Bild oben

Ab dem Modell 730 Record (1963) hatte der Kniehebel eine neue Funktion...

...genannt FHS (Frei Hand System) Der Kniehebel diente nun als Nähfuss-Heber (LIFT). Um beide Hände beim Nähen frei zu haben kann man mit dem Kniehebel den Nähfuss anheben. 

Hinweis: Der Nähfuss-Heber war an der 730 Record eigentlich ab 1963 Standard... die Maschine wurde jedoch - auf Wunsch vieler Kunden weiterhin auch mit Kniehebel geliefert.

 

 

Ab 1971 war die BERNINA 830 Record im Handel... und elf Jahre das Flagschiff. (und sie ist heute noch sehr begehrt).

Der serienmässig eingebaute Kniehebel dient auch hier als Näh-Fuss-Lift. Ab diesem Modell war der Fusslift bei vielen Maschinen Standard. Damit man beide Hände frei hat um den Stoff zu bewegen hebt man mit dem Kniehebel den Nähfuss ganz bequem mit dem rechten Knie.


 

 

Hinweis: ...zum Thema selber machen

Meine Infos sind gedacht für "Selbermacher" ...bedeutet für Leute welche die hier beschriebenen Rep. und Service-Arbeiten wirklich eigenhändig erledigen können...

Handwerker mit vorhandenem Werkzeug und mechanischen Kenntnissen etc.

...eigene Fantasie und Initiative gehört da auch dazu.  

 

Eine einfache Konstruktion zeigt unten das Bild der grünen BERNINA 117.

Machen lassen bedeutet dass man einen (oder mehrere) Metall bearbeitende Betriebe aufsucht und fragt ob sie sowas machen würden... usw. 

 

Eine andere Möglichkeit wäre...

man setzt sich an den Computer und schreibt verschiedene Firmen an... und fragt nach ob jemand so einen Kniehebel (genaue Modell-Bez. angeben) liefern kann.

(Teilweise muss man sowas auch mal in den USA bestellen.) ...all das gehört dazu, wenn man sich mit 40-50 jährigen Nähmaschinen beschäftigt.  

Div. Adressen von Lieferanten in EU sind in meiner Webseite zu finden

im Kapitel "Ersatzteile + Lieferanten Adressen".

(viele weitere findet man über google.) 

 

 

Die erste BERNINA mit Nähfuss-Lift

waren die Modelle der Klasse 117 (K/L).... hier im Bild zu sehen.

Die Kl. 117 galt jedoch nicht als Haushalt, sondern als Industriemaschine. Die erste BERNINA Haushaltmaschine mit Nähfuss-Lift war die 730 Record.

 

Oft fehlt dieser Hebel bei gebrauchten Maschinen, so dass beim Besitzer der Wunsch aufkommt einen solchen Hebel selber anzufertigen, was durchaus auch dem Laien möglich ist.

 

            Die grundlegende Konstruktion

 

Aber Achtung... bei einigen Modellen der Baureihe Favorit... 540/640/740/ kann die Aufnahme-Hülse auch abweichend konstruiert sein, so dass der Kniehebel nur einen Bolzen (Knubbel) hat. Wenn wir die Hülse vorne an der Maschine genauer betrachten können wir feststellen von welcher Art diese ist... 1 od. 2 Querbolzen etc.

Bei Unsicherheit oder wenn das Teil nicht schön sauber läuft, dann hilft  ausbauen, reinigen ölen... wobei man genau sehen kann wie + was.

 

Die Mechanik sehen wir in der Grundausführung auf der Zeichnung unten. Die Aufnahme-Hülse für den Kniehebel bildet eine von vorne bis hinten durchs Gehäuse führende Achse (oder Hohl-Achse) die vorne eine dem Bajonett-Verschluss ähnliche Aufnahme-Öffnung hat wo der Kniehebel eingeklinkt wird.

Merke: ...Die Mechanik kann bei fehlendem Kniehebel auch mit einem grossen Schraubenzieher bewegt werden. Wenn die Mechanik nur hartnäckig bewegt werden kann, dann sollte man das Ganze abbauen, reinigen und wieder montieren. 

 

Wichtig für die Herstellung eines Hebels sind die Masse für die Aufnahmehülse vorne an der Maschine.... diese sind passend für alle BERNINA Oldtimer der Klasse 730 Record - 640/740/840 Favorit ...930 Record etc.

 

Alle BERNINA Modelle mit dieser Fusshebe-Mechanik erkennen wir an der vorne an der Maschine vorhandenen Aufnahme-Hülse für den Kniehebel. (roter Pfeil) Bei Maschinen ohne Mechanik ist das Loch geschlossen mit einem Metall oder Plastikdeckel drauf.

 

Ab der 830 Record von 1971 war dieser Fussheber Standard.  Man kann diesen Hebel bei Verlust eigentlich mit wenig Aufwand selber herstellen (herstellen lassen). Die für den Erfolg wichtigen Abmessungen sind in den Fotos unten angeführt.

Bei den Masch. der 800er Baureihe... 807/830/840 etc. ist dieser Hebel hinten unter der Plastikabdeckung versteckt.

Bild unten: Masse für den Hebel der 800 Baureihe ..930 Record ...und andere.


Bild oben: Hebelkonstruktion mit Aufnahmehülse an der Front. z.B. an der BERNINA 730 Record 


Bild unten: 217 Industrial, Kniehebel wird auch hier unter dem Tisch montiert. -- Hier sichtbar bei Flachbett-Maschinen auf Nähtisch montiert, wir die Hebelmechanik durch die Grund-platte nach unten geführt.

Bild oben: Hebel-Konstruktion mit Aufnahmehülse vorne an der Maschine, hier offen sichtbar an der 740 Favorit.

 

Bild unten: 740 Favorit für fixen Tischeinbau, mit Kniehebel Aufnahme unter dem Tisch. Die Mechanik wird durch die Grundplatte nach unten geführt.


 

 

 

Die ELNA Supermatic aus den 1950er Jahren hat den Kniehebel um den Motor zu regeln.

Diesen Hebel kann man relativ einfach selber herstellen. Dort wo die beiden kleinen Bolzen sind bohren wir ein durchgehendes Loch und schneiden ein M3 Gewinde rein. Dann kommt eine M3 Schraube in die Gewindebohrung. Wir lassen beideitig ca. 4.5mm von der Schraube vorstehen. Den Rest der Schraube knipsen wir mit dem Seitenschneide weg. Jetzt ist unser Hebel einsatzbereit. ( Verschönerunge sind der Fantasie überlassen )


 

Kniehebel als Motor-Starter

Bei den Maschinen vor 1963 hatte der Kniehebel die Funktion als Motor-Starter. (Bei Maschinen ohne Fusspedal).

Die durchs Gehäuse führende Achse hat hinten einen Umlenkhebel der bei Betätigung den Keramikregler am Motor in Funktion setzt... und so die Maschine startet.


Bei den Mod. 530/730 Record ist der Kniehebel mit einem Gelenk als klappbare Variante ausgeführt.

Der Kniehebel selber wird hierbei zusätzlich mit einer Schelle am Gelenkstück fixiert.


 

 

Die Maschinen mit Kniehebel

können ohne Probleme

auf Fusspedal umgebaut werden.

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