Geschichte der Familie Gegauf mit Hintergrund-Infos die mancherorts bewusst oder unbewusst weggelassen wurden.

Vorgeschichte.

Die Vorfahren des BERNINA Firmengründers Karl Friedrich Gegauf stammen ehemals aus Baden-Württemberg. Einige von ihnen standen in Diensten der Fürsten von Hohenzollern und der Freiherren von Bodmann. Karl Friedrichs Grossvater siedelte sich im Jahre 1803 in Wahlwies an, einem kleinen Bauerndorf in der Nähe des Bodensees auf deutscher Seite. Ein Jahr später wurde ihm sein Sohn Johann Georg geboren. Der intelligente Junior wurde nach seiner Schulzeit Landarzt mit eigener Praxis im elterlichen Wohnhaus. Zu allen Zeiten gab es politische Wirren und wirtschaftliche Unruhen so auch im 19. Jahrhundert. Die Badische Revolution erschütterte 1848 auch das kleine Dorf Wahlwies. Der überzeugte Demokrat und Arzt Johann Georg Gegauf stand mit seiner offen bekundeten Überzeugung in starkem Gegensatz zu den damaligen Machthabern. Dies führte dazu dass er vielen Repressalien ausgesetzt war und sogar um sein Leben fürchten musste.

Er beschloss die Flucht in die Schweiz, zu seinem Studienfreund Dr. med. Guntram Deucher in Steckborn, am Ufer des Untersees (Bodensee). Ein bis zwei Jahre – man weiss nicht genau wie lange – versteckte ihn sein Freund Dr.Deucher in Steckborn. Während dieser ganzen Zeit besuchte ihn seine in Wahlwies zurückgelassene Braut Anastasia Nägele einmal pro Monat heimlich in der Nacht in seinem Versteck.

Sie ruderte jeweils in einem kleinen Boot jedesmal von Gaienhofen über den Untersee nach Steckborn zu ihrem Liebsten. 1851 wurde der Kriegszustand beendet und Dr. Gegauf konnte in seine Heimat zurückkehren. Dr. Gegauf heiratete sein Anastasia die ihm in den ersten Jahren ihrer schönen fast vierzig jährigen Ehe fünf Söhne gebar. Einer wurde Arzt wie der Vater und auch die anderen konnten eine positive Entwicklung vorweisen.

 

Sohn Karl Friedrich, 1860 geboren, war ein ausserordentlich intelligenter Kopf, hatte alle Begabungen seiner Eltern geerbt. Baute schon als Kind allerlei kleine Maschinen. Der Vater erkannte die Talente seines Sohnes – der nicht Arzt werden wollte – und schickte ihn zu einem Lehrmeister in die Mechanikerlehre, die Karl Friedrich erfolgreich abschloss. Einen Teil seiner Ausbildung absolvierte Karl Friedrich in der Schweiz bei der Fa. Allschweiler in Radolfszell. Karl Friedrich’s Vater, Dr. Gegauf starb 1890 genau in dem Jahr als seinem jüngsten Sohn die Erfindung der ersten Hohlsaummaschine gelang. 

 

Mit Karl Friedrich Gegauf hat alles angefangen.

BERNINA - Entstehung und Entwicklung der Firma

am schönen Bodensee in Steckborn in der Schweiz

 

Nach Vater’s Tod reiste der 1860 im deutschen Wahlwies (30 Km von Steckborn, jenseits des Untersees) geborene, gelernte Mühlenbauer u. Maschinen Mechaniker Karl Friedrich Gegauf als dreissigjähriger junger Mann in die Schweiz zur Arbeitsuche und fand bei der Stickmaschinenfabrik Baum in Rorschach eine Stelle als Monteur. Sein grosses Wissen und Können führte ihn bald in die Welt hinaus. Er war als Monteur für Baum tätig in vielen Ländern Europas und in Nordamerika. Hoch im Kurs waren damals die Monogrammstickmaschinen.

Karl Friedrich Gegauf konstruirte in der Freizeit und nächtelangen Versuchen seinen eigenen speziellen Monogramm-Stickapparat den man an bestehende Stickmaschinen montieren konnte wodurch die Vorgänge vereinfacht und die Stickkapazität erhöht wurde. Doch weder sein Arbeitgeber noch andere Fabrikanten liessen sich von seiner Erfindung überzeugen.

 

Karl Friedrich Gegauf, von seiner Entwicklung überzeugt, verliess kurzerhand die Firma Baum. Er kaufte sich eine Stickmaschine, montierte seinen Stickapparat darauf und begann Tücher mit Monogrammen zu besticken, als Mustervorlage und Verkaufsargument. Damit konnte er die Fabrikanten von der Funktionalität seines neuen Produkts überzeugen. 

Karl Friedrich Gegauf gründete mit Maria Troll aus Schwarzach in Vorarlberg eine Familie. Die beiden zogen nach Tägerwilen. K.F.Gegauf baute hier seine Stickapparate nun auch für den Verkauf an Stickereien weltweit. Kurz darauf benötigte die Manufaktur mehr Platz, die fand K.F.Gegauf im ehemaligen 1869 aufgelösten Zisterzienser Nonnen-Kloster Feldbach in Steckborn am Ufer des Untersees. Hier wurden Gewerberäume vermietet. In den neuen Hallen ging die Produktion der Stickapparate mit ca. 20 Mitarbeitern zügig voran. Interessanterweise war einer der ersten Hauptabnehmer die Stickerei Baum, Gegauf‘s früherer Arbeitgeber, der seine Erfindung  - wir erinnern uns - erst mal ablehnte. Viele weitere Interessenten folgten so dass die Firma langsam auch wirtschaftliche Erfolge erzielte.

Zu damaliger Zeit war es allgemein üblich Tisch- und Taschentücher, Bettwäsche Unterwäsche usw. mit den Initialen (Monogramm) der Besitzer/in zu besticken und allerlei Textilien zu verzieren.

Die Firma wuchs und konnte nicht mehr von einem Mann geführt werden. So konnte Karl Friedrich inzwischen seinen Bruder Georg der Buchhalter und Kaufmann war gewinnen. Georg war fortan kaufmännischer Leiter der Firma.

 

Ein weiteres Problem der Stickerei Fabrikanten waren die Hohlsäume, die nach wie vor immer noch von Hand fabriziert wurden. Karl F. Gegauf  wurde bei regelmässigen Treffen mit verschiedenen Fabrikanten mit diesem Problem vertraut.

Seine Meinung: Hohlsäume sollten doch auch maschinell zu fertigen sein.

Über Monate hinweg opferte Gegauf viele Abende und Nächte mit ausprobieren und tüfteln. Tagsüber war er regulär bei seinen Mitarbeitern im Betrieb beschäftigt.

Zuhause bei Frau und Familie fand Karl Friedrich die Ruhe die ihm immer wieder die Kraft gab die er in der Firma zur Umsetzung seiner Ideen benötigte.

Schliesslich gelang K.F. Gegauf die Konstruktion seiner Hohlsaumstickmaschine.

 

Das Bundesamt für Geistiges Eigentum erteile ihm am 27. Februar 1892 das Patent Nr. 4670 für seine Erfindung, die weltweit eine textile Revolution auslöste. Von überall kamen Aufträge. Das aufstrebende Unternehmen war nun im Handelsregister als Textilmaschinenfabrik Gebrüder Gegauf eingetragen. Das Jahr 1893 steht für die offizielle Gründung der Firma GEGAUF.

 

Kaum erfolgreich folgt negatives.

Im Jahre 1895 brannte das Kloster, alle Einrichtungen und Fabrikationshallen wurden zerstört. Gegauf konnte nur noch den Prototypen seiner Hohlsaum-Maschine retten, alles andere wurde vernichtet.

Die Gegauf Brüder liessen sich von all dem nicht entmutigen, obwohl es für sie ein schwerer Schlag war. In einer Scheune an der Obertorstrasse in Steckborn wurde gleich weitergearbeitet. Bald zählte die Firma 70 Mitarbeiter. Die Scheune wurde längst durch weitere Fabrikationsräume erweitert. Mit den von Gegauf konstruierten Maschinen konnten allerlei Textilien in unzähligen Variationen verziert werden.  Dieser Vorgang wurde allgemein als “gegaufen“ bekannt.

Georg Gegauf hatte vier Töchter und einen Sohn.

 

Die Familie von Karl Friedrich Gegauf bestand zwischenzeitlich aus Vater Mutter und den Kindern Ernst, Fritz, Gustav und der Tochter Hilda.

Ernst und Fritz fielen dem Vater schon früh als Kinder auf, mit ihren starken Interessen an allerlei technischem. Beide Buben lernten vom Vater sozusagen spielerisch allerlei technische Grundlagen die ihren späteren Berufsweg beeinflussten. Der Vater war stolz auf seine Jungs und nahm sich alle Zeit, um seinen Söhnen alles beizubringen was sie wissen wollten.

 

1895 im Jahr des Grossbrandes im Kloster war Karl Friedrich mit seiner Familie in eine neue grosse Wohnung an die Seestrasse ins “neue Schloss“ umgezogen. Nur vier Jahre später erkrankte seine liebe Frau schwer, Sie stirbt am 13. Februar 1900 im Alter von nur 41 Jahren. Es hiess, Sie welkte wie eine schöne Blume. Die Kinder waren zu dieser Zeit noch nicht alle schulpflichtig. Gegauf verheiratete sich wieder mit Maria Haug aus dem Schwarzwald. Sie war den Kindern eine liebevolle “Ersatzmutter“ und unterstützte auch Ihren Mann wo es eben ging.

 

Karl Friedrich Gegauf beantragte nach all diesen Jahren in der Schweiz die Einbürgerung für sich und seine Familie. Im März 1907 wurde die Einbürgerung der Familie Gegauf bestätigt. Nun waren sie Schweizer geworden.

 

Ein neuer Tiefschlag

In den folgenden Jahren produzierte K. F. Gegauf eine Menge neue Maschinen und erlanget dafür weltweit etliche Patente. Kaum war privat und geschäftlich wieder etwas Ruhe eingekehrt kam das Jahr 1914, der erste Weltkrieg brach aus und geschäftliche Verbindungen zu ausländischen Partnern in den in den Krieg verwickelten Ländern kamen beinahe vollständig zum Stillstand. Schwierige Zeiten brachen an… und im Jahre 1917 zog sich Georg Gegauf beim Schlittschuhlaufen auf dem gefrorenen Untersee bei einem Sturz einen Schädelbruch zu, dem er wenige Tage später erlag. Ein neuer Tiefschlag für Karl Friedrich, der damit nicht nur seinen Bruder, sondern gleichzeitig seinen besten Geschäftspartner verlor. 

Neue Ausrichtung in die Zukunft

Nach dem Tod von Georg wurde die Firma 1918 in Gegauf & Co. umbenannt. Karl Friedrich Gegauf tüftelte und konstruierte mit seinen Söhnen weiterhin an neuen Maschinen.

Die Familie des Verstorbenen wollte sich jedoch nicht mehr beteiligen...

 

...und so trat Karl Friedrich Gegauf aus der Gegauf & Co. aus.

Es wurde ihm per Vertrag das Recht zugesprochen, dass er weiterhin seine Hohlsaummaschinen unter dem Namen GEGAUF bauen konnte.

Er gründete am 17. Oktober 1919 seine eigene neue Fa. Fritz Gegauf. (Es gab nun kurze Zeit zwei Gegauf Firmen in Steckborn.)

 

Der junge Fritz Gegauf - geb.1893 (der Sohn von Karl Friedrich) hatte bereits am 31. März 1919 sein erstes Patent für eine neue Hohlsaummaschine (Mod. WOTAN) angemeldet, die er zusammen mit seinem Vater entwickelt und gebaut hatte. Die WOTAN wurde für die Firma Fritz Gegauf ein grosser Erfolg. Sohn Fritz Gegauf wollte auch die Welt kennenlernen. Das führte ihn 1920 als 27 jährigen jungen Mann für drei Jahre nach Paris. 1923 kehrte er zurück in den Betrieb seines Vaters.


1893 präsentierte Karl Friedrich Gegauf die erste Hohlsaum Nähmaschine der Welt als seine zweite erfolgreiche Erfindung. Eine grosse Anzahl Fabrikanten waren bei den Vorführungen begeisterte Zuschauer.

Die Maschine wurde mit der Patent No. 4670 registriert. Sie nähte 1000 Stiche pro Minute.

Eine überaus komplexe Maschine: Sie arbeitet mit zwei Schiffchen und zwei Nadeln, die jede für sich eine Bewegung ausführt. (ähnlichkeit mit ZickZack Bewegung)

 

Im Jahr 1900 waren die Gegauf Maschinen in der ganzen Welt bekannt. In diesem Jahr kamen auch die Gegauf Modelle D+F, auf den Markt, Hohlsaum-maschinen für die Konfektionsindustrie in USA und Europa.

 

Ab 1925 wurde die von Fritz Gegauf jun. mitentwickelte Gegauf-Fisa angeboten, sie nähte 2200 Stiche pro Minute, eine Revolution für Industriebetriebe. 

Zu dieser Zeit gab es niemand der Stickereien ohne Hohlsaum herstellte. Die Ostschweiz war über Jahrzehnte das Mekka der schweizer Stickindustrie. St.Galler Stickereien sind noch heute weltbekannt. Gegauf hatte das natürlich alles schon längst beobachtet und ging nun daran zu diesem Zweck eine Maschine zu bauen. 

Seine Fähigkeiten hatten sich mittlerweile überall herumgesprochen. Der Ansporn war um so grösser als Gegauf von einer in St.Gallen beheimateten Gross-Stickerei den Auftrag erhielt, eine Maschine zu konstruieren mit der Hohlsäume schneller und billiger hergestellt werden können.


Die Kunstseide erobert die Branche

Eine neue Ära begann. Wie Pilze schossen plötzlich im ganzen Land die Kunstseidenfabriken aus dem Boden. Mit der Borwisk Kunstseidenfabrik hielt 1923 die neue Industrie auch in Steckborn Einzug.

Karl Friedrich Gegauf ahnte dass damit wahrscheinlich ein “wirtschaftlicher Feind“ auf ihn zukommt. Doch wie noch nie in seinem Leben liess er sich auch davon nicht beeindrucken. Sobald die Fabrik in Betrieb war liess er sich die Abläufe vom Direktor zeigen.

Gegauf fiel auf, dass man das unterbinden der Garnstrangen (fitzen genannt) viel effizienter, schneller und billiger erledigen könnte wenn man dies maschinell erledigt. Der Direktor bejahte mit der Bemerkung ‘wenn man eine solche Maschine hätte‘. Karl Friedrich ging nach Hause und überlegte. Eine Woche später hatte er die Lösung im Kopf. Zusammen mit Sohn Fritz jun. erarbeitete er die Baupläne und Vorbereitungen zum Bau der neuen Fitzmaschine, ein im Gegensatz zu vorherigen Konstruktionen echt grosses Ding. Die Vorbereitungen dauerten an und 1926 war es soweit dass die Maschinen in Produktion gehen konnten. 

Familiäre Veränderung

Leider erlebte der Vater Karl Friedrich Gegauf den Produktionsbeginn seiner neuen Maschine nicht mehr. Er war an einem Magenleiden erkrankt von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb am 13. Dezember 1926.  Jeder der drei Söhne blieb in irgendeinem Zweig mit Vaters Unternehmen verbunden.

Fritz Gegauf jun., der in allem die Begabung des Vaters geerbt hatte war ebenso ein genialer Erfinder, Konstrukteur und Unternehmer ersten Ranges. Ernst wurde Mechaniker und arbeitete unter anderem in Bielefeld, Berlin, und Frankfurt. In die Schweiz zurückgekehrt wurde er BERNINA Vertreter in Amriswil, bis zu seinem Tod im Jahre 1966. Gustav der jüngste der drei Brüder war gelernter Werkzeugmacher mit Handelsschulabschluss. Im weiteren beschäftigte er sich mit Chemie, Mathematik und Physik. Von seinem Wohnort Konstanz kehrte er ein paar Jahre später zurück in das Unternehmen seines Bruders Fritz und übernahm die kaufmännische Leitung. Die Firma hiess jetzt Gegauf’s Söhne.

Fritz war der technische Leiter und als solcher auch als Nachfolger bestimmt. Zusammen führten sie das Werk ihres Vaters weiter. Am 27. Juli 1927 konnte die erste Gegauf Fitzmaschine an die Kunstseidenfabrik abgeliefert werden. Auch Hohlsaummaschinen wurden weiter entwickelt. Wie der Vater so der Sohn. Fritz Gegauf präsentierte 1930 seine neue Hohlsaummaschine ‘FISA‘. Auch die Fitzmaschinen wurden dauernd verbessert. 15 Patente erlangte Fritz Gegauf dafür. Anfragen und Bestellungen aus der ganzen Welt verlangten nach mehr Platz. Voller Wagemut und in optimistischer Voraussicht liessen die Brüder Gegauf in Steckborn eine neue Fabrik errichten. Genau gegenüber dem alten Kloster im Feldbach Quartier, wo einst ihr Vater begonnen hatte. Am 5. April 1929 konnte die neue Fabrik bezogen werden. Alles schien für die Zukunft gerichtet, bis zum Okt. im selben Jahr 1929.

Der schwarze Freitag

…an der New Yorker Börse im Oktober 1929 brachte alles durcheinander. Innert Tagen hatte Europa Millionen Arbeitslose. Die Nachfrage nach Hohlsaummaschinen nahm rapide ab. Fitzmaschinen waren noch aktuell und so verkaufte Gegauf Lizenzen zur Herstellung von Fitzmaschinen nach Italien, um an Geld zu kommen. Da sich nun auch eine franz. Fabrikantengruppe an der Firma Gegauf beteiligte wurde die Fa. Im Juli 1931 in eine AG umgewandelt.

Doch bereits Ende des Jahres verfinsterten sich die Zukunftsaussichten erneut sozusagen über Nacht. Durch eine technische Umstellung bei der Kunstseidenherstellung wurden nun auch die Fitzmaschinen überflüssig.

 

Eine arge Bedrohung für Fritz Gegauf, hatte er doch versprochen Vaters Werk nicht nur weiterzuführen, sondern auch zu vermehren. Dazu gehörte auch Arbeit für die Mitarbeiter zu beschaffen. Was sollte er also tun ? Gut ausgebildete Leute waren da, auch eine neue gut ausgerüstete Fabrik war vorhanden.

 

Wilhelm Brütsch, ein Freund für alle Fälle

Nun tritt ein Mann in Erscheinung von dem man in allen anderen Chroniken und Berichten nie oder kaum was erfährt.

Wir reden ist von Wilhelm Brütsch sen. geb. 1881 inzwischen Chef der Firma Brütsch & Co. St. Gallen.

(spätere Turissa Nähmaschinenfabrik ).

W.Brütsch war ein genialer, angesehener weitherum bekannter Stick- und Nähaschinenkonstrukteur der in früheren Jahren vor seiner Selbständigkeit in verschiedenen Betrieben im Ausland Maschinen entwickelt hat.

So baute er z.B. die Adler Klasse 9-30, die Adler-Halbautomat Klasse 9-1 System Brütsch. (1911 am Markt) Eine der bedeutendsten Erfindungen auf dem Gebiet der Industriellen Rahmenstickerei.

Auch die ersten ZickZack-Industriemaschinen die mehr als 3000 Stiche pro Min. nähten kamen von ihm. Er war mit vielen weiteren Patenten einer der bedeutendsten Nähmaschinenkonstrukteure seiner Zeit.

 

Wilhelm Brütsch hatte damals in seinem Betrieb seinen einzigen Sohn Willi als kaufmännischen Geschäftspartner. Willi Brütsch, ein ebenso heller Kopf wie sein Vater und Fritz Gegauf jun. kannten sich von Jugend an sehr gut und waren beide von jeher mit Nähmaschinen vertraut. Oft sassen die beiden Familien Brütsch und Gegauf zusammen und Väter und Söhne diskutierten jeweils die aktuelle Lage am Maschinenmarkt.

1930er Jahre... der neue Weg…

Die schwierige Wirtschaftslage erforderte neue Massnahmen. So kamen Wilhelm Brütsch und Sohn Willi gemeinsam mit Fritz Gegauf auf die Idee, zusammen eine neue Haushaltnähmaschine zu bauen.

 

Es gab schon die schweiz. Helvetia Nähmasch. Fabrik in Luzern die einfache Maschinen konstruierte... aber die drei Männer waren der Meinung dass es gut einen weiteren Hersteller vertrage, zumal aus dem Ausland jährlich gegen 20‘000 Nähmaschinen in die Schweiz importiert wurden. 

Um diesem Trend entgegenzuwirken und die eigene Firma zu stärken wurde ein Entschluss gefasst.

Vater Wilhelm Brütsch sollte mit Sohn Willi die neue Maschine konstruieren und produziert wird in der neuen Fabrik in Steckborn bei Fritz Gegauf. – Man einigte sich auf den neuen Markennamen BERNINA. ..und so geschah es, Brütsch konstruierte die erste BERNINA Haushalt Nähmaschine Klasse 105, die  von der Firma Fritz Gegauf produziert und 1932 dem Publikum präsentiert wurde. Viele Tausende gingen in den Folgejahren durch die Produktionshallen.

1934 folgte eine verbesserte Nachfolgerin, die BERNINA KL 114... und im Jahre 1938 die erste Zickzack BERNINA Kl 117.

 

Die beiden neuen Geschäftspartner schlossen einen Vertrag welcher der Firma Brütsch & Co. auf unbestimmte Zeit das alleinige Vertriebsrecht der neuen BERNINA Nähmaschinen für die ganze Schweiz zusicherte.

Welch grossartige Entwicklung die BERNINA erlebte sehen wir in der Vielfalt ihrer Modelle, die in Qualität und Bedienbarkeit steht‘s erste Klasse waren. Nicht zuletzt auch darin dass BERNINA der einzige  überlebende, selbständige Nähmaschinehersteller Europas bis heute geblieben ist.

Pers. Anmerkung: Hätte Brütsch ebenso innovative Nachkommen gehabt gäbe es wahrscheinlich die TURISSA Nähmaschinen heute noch ..wer weiss es ?


1965 stirbt Fritz Gegauf Jun.

seine Tochter Odette Ueltschi, die seit 1959 an der Seite ihres Vaters mitgewirkt hatte sprang in die Lücke. Sie arbeitete sich in alle Belange ein und übernahm 1979 als Präsidentin die Leitung des schon damals weltweit agierenden Familien-Unternehmens.

1988 übergab sie die Leitung ihrem Sohn Hanspeter Ueltschi der das Unternehmen bis heute erfolgreich führt.

Unter seiner Führung kamen etliche Tochterunternehmungen dazu. So auch 1990 ein eigenes Ferigungs und Produktionswerk in Thailand, zur Herstellung von Präzisions Einzelteilen. Je nach Situation werden auch komplette Maschinen in Thailand gebaut.

Alle Teile kommen anschliessend in die Schweiz ins Hauptwerk in Steckborn wo die BERNINA Nähmaschinen allesamt / mit wenigen Ausnahmen / von den über 300 Mitarbeitern zusammengebaut und gerüft werden. Jede einzelne BERNINA Nähmaschine findet so den Weg zu Ihrer Besitzerin. Bernette Maschinen werden nicht bei BERNINA produziert, die kommen von einem auf preiswerte Nähmaschinen und Overlock Maschinen spezialisierten Hersteller in Taiwan.

Odette Ueltschi-Gegauf, die Tochter von Fritz Gegauf übernahm ab 1979 das Präsidialamt der der BERNINA Nähmaschinenfabrik Steckorn. Sie hatte das Präsidium inne bis zum Jahre 1988. Da war die nächste Generation an der Reihe. Ihr Sohn Hanspeter Ueltschi.

Hanspeter Ueltschi Sohn von Odette Ueltschi, keineswegs weniger innovativ als sein Grossvater und Urgrossvater - ist seit 1988 bis heute (2017) Präsident des Unternehmens, dem heute etliche Produktionsbetriebe weltweit angehören. Die Firma ist nach wie vor ein Familienunternehmen an dem sich, wie Herr Ueltschi versichert, auch nichts ändern wird. Die ganzen Betriebe sind in einer Holding zusammengefasst.

 

BERNINA ist die einzige Nähmaschinenfabrik Europas - von ursprünglich 200 - die nach wie vor als eigenständiges Unternehmen das 21. Jahrhunder erreicht hat.

 

Zwischendurch auftretende Schwierigkeiten, egal ob technischer- oder wirtschaftlicher Art hat das Familienunternehmen als Herausforderung angenommen und dank vieler qualifizierten Mitarbeiter/innen und einer Menge innovativer Köpfe, verbunden mit dem unaufhaltsamen Unternehmergeist im Laufe der letzten Hundert Jahre alle gemeistert.

 

Das wichtigste Merkmal des Erfolges ist bestimmt die andauernd hohe Qualität ihrer Produkte und der Umstand dass die Firma bis heute (Stand 2017) noch immer ein Familienunternehmen geblieben ist. Es bleibt den zukünftigen Generationen zu wünschen dass auch sie dies beizubehalten mögen.

 

Auch wenn es zeitweise einzelne andere Fabrikate gab die nach Meinung einiger Leute "scheinbar" üppiger ausgestattet waren als BERNINA Modelle so ist eines klar.

BERNINA hatte immer genau der Zeit angepasste Modelle im Sortiment.

Maschinen die DAS konnten WAS der Kunde brauchte und nicht mehr - in hervorragender Qualität inkl. top Service... zu einem im Verhältnis einwandfreien Preis.

 

 

Quelle: eigene Recherchen des Autors/occaphot.ch

inkl. Teile der Aufzeichnungen von Maria Dutli-Rutishauser

 

 

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Von Beginn an war der Name BERNINA der Inbegriff für beste Qualität.

Auch die Haushaltmaschinen waren nach Industriestandard gebaut was ihnen eine enorme Lebensdauer bescherte. Sie waren von jeher sehr leise,  laufruhig und stark. Noch heute sind die alten Mod. 105/114/117...530/730/830 Record gefragte Maschinen.

 

1938 folgte die erste Zick-zack Haushaltmaschine Mod. 117, dann 1943 folgte das Mod.121 die erste elektrische Freiarm Maschine, 1945 die gleiche Maschine als Modell 125 als die erste Freiarm Zick-Zack der Welt und 1954 kamen die allseits beliebten 530er Modelle auf den Markt, mit patentiertem Wechselfuss und Knopfloch-Halbautomat.

 

Ab 1963 wurde die 730 Record Baureihe produziert. Eine Super Maschine mit pat. Nähfuss-Hebebügel welcher mit dem Knie bedient werden konnte. Die Freiarmmaschinen hatten alle einen Anschiebe-Tisch welcher als Arbeitsfläche diente. 1971 kam die 830er, die erste mit elektronischem Fusspedal. Sie war 11 Jahre lang der Renner.

 

Dann 1982 die erste 930er, Erste BERNINA mit Stretch-Stich-Funktion und extra starkem Motor. So ging die Erfolgsgeschichte weiter mit immer besseren Maschinen. 1986 folgte Mod.1130 die erste Vollelektronische, danach die 1230, 1630, artista 180, activa 145, artista 200, aurora 440 QE, artista 730 im Jahr 2006,

und 2009 die neue BERNINA 830, keine Nähmaschine, nein dies sind die schnellsten und innovativsten High-End Näh und Stick Systeme auf dem Markt. 

  

Die seit 2010/2011 lancierten Modelle B330/B350/B380 (quasi als activa Nachfolger) und die innovativeren Modelle B530/B550 sind handliche vollelektronische Maschinen nicht nur für gelegentlichen Hausgebrauch, teilweise auch im unteren BERNINA Preissegment.

 

Inzwischen wieder neu hinzugekommen sind die fantastischen BERNINA Maschinen der neuen 700er Baureihe... die Modelle 780 / 750 / 710.