Maria Waser
Erste schweizer Historikerin 1901
Die junge Maria Waser
* 15.10.1878 † 19.1.1939
Maria Waser wurde am 15. Oktober 1878 in Herzogenbuchsee (Kt. Bern) als Tochter des Landarztes Walter Krebs geboren und als solche wuchs sie privilegiert auf und verbrachte ihre Kindheit und Jugendjahre in Herzogenbuchsee.
Ihr starker Drang zur Bildung wurde von Seiten der Familie sehr unterstützt. Insbesondere ihre Eltern gaben dem intelligenten Mädchen all das mit auf den Weg des Lebens was sie zu einer gebildeten, erfolgreichen Persönlichkeit machte.
Dr. Walter Krebs
Ihr Vater der begabte und erfahrene Arzt Walter Krebs, Sohn des Gerichtsschreibers der in Thun geboren und auch dort, oben beim Schloss mit seiner herrlichen Aussicht zusammen mit seinen fünf Geschwistern aufgewachsen war, war Zeit Lebens ein Gönner und Wohltäter. Schon als Student diente er im Jahre 1866 in Zürich als medizinischer Helfer. Denn während seinem Medizinstudium brach in Zürich die Cholera aus. Der damals erst 19 jährige sah es als seine Pflicht zu helfen und eilte nach Zürich wo er eine gewisse Zeit als medizinischer Helfer verbrachte.
1870-71 tobte der Deutsch-Franz. Krieg und Walter Krebs diente in dieser Zeit in Darmstadt als Lazarettarzt.
Schon früh befreundete er sich mit seinem Studienkollegen, dem später sehr bekannten Berner Arzt und Chirurgen Dr. Prof. Emil Theodor Kocher (1841-1917) eine Freundschaft die ein ganzes Leben hielt. Dr. Kocher war oft Gast bei der Familie Krebs.
Marie Schüpbach
Nachdem der junge Arzt aus Deutschland zurückgekehrt war, zog er in den Oberaargau nach Herzogenbuchsee und heiratete seine Jugendfreundin Marie Schüpbach, die ebenfalls in Thun aufwuchs. Sie besuchte als junge Frau das Lehrerinnenseminar in Bern. ( Ihr Vater war Gottlieb Schüpbach aus Steffisburg, auch bekannt als Stiefvater von Ferdinand Hodler)
Im Alter von 20 Jahren verlobte sich Marie mit dem Medizinstudenten Walter Krebs. Sechs Jahre war sie in ihrem Beruf tätig als Lehrerin in Thun, dann zog sie nach Herzogenbuchsee ins Doktorhaus. Als Frau des Arztes Dr. Krebs assistierte sie ihrem Gatten bei Operationen. Sie leitete die Apotheke, schrieb Rechnungen und führte die Buchhaltung. Um ihre geistigen Bedürfnisse nicht verkümmern zu lassen befasste sie sich oft mit lesen, Weiterbildung und der Dichtung, welche sie als hohes Gut betrachtete.
Als nach den beiden Töchtern Gertrud und Hedwig die Arztgattin Marie Krebs mit ihrem dritten Kind schwanger war erwartete man sehnlichst einen Knaben. Doch die Freude in der ganzen Familie war riesengross als am 15. Oktober 1878 das dritte Mädchen Maria geboren wurde. Sie erhielt den Kosenamen "Runggeli" und wurde wärend ihrer ganzen Kindheit so genannt.
Dr. Krebs erkannte früh die rasche Auffassungsgabe seiner jüngsten Tochter. Maria hatte sehr bald eine enge Verbindung zum Vater, der sie sobald es möglich war überall mitnahm. Der Vater legte Wert auf eine gute Allgemeinbildung seiner Töchter die auch Maria in vollem Masse genoss.
So wurden die Kinder eingeführt in das allmorgentliche jubilieren der Vögel, Maria lernte die einzelnen von einander zu unterscheiden. Sie wurde mitgenommen in die Natur um alle Blumen und Pflanzen kennen zu lernen und in der kleinen auf dem Dach des Doktorhauses eingerichteten Sternwarte wurden an klaren Abenden die Gestirne des Himmels erforscht.
Im Hause wurden zum Studium der Tiere ein Vogelzimmer mit allerlei Käfigen eingerichtet. Draussen in einem Nebengebäude war der Eulenkäfig, auf der Laube (Balkon) das Terrarium mit den Kröten und im Hause fand sich auch ein Aquarium. Es mussten täglich rund sechzig Tiere gefüttert und gepflegt werden. Maria war eine wache Beobachterin all ihrer Mitbewohner.
Überhaupt genossen die drei Mädchen eine hohe Allgemeinbildung bereits vor ihrer offiziellen Schulzeit bereits durch die Eltern. Die Mutter las ihnen vor, erzählte Geschichten. Die Biblische Geschichte in all ihren Details mit eingeschlossen. - Was die kleinen Maria besonders beeindruckte und zu verschiedenen Überlegungen Anlass gab.
Der Vater wünschte, dass sich seine drei Töchter auch nie und nicht vor irgend etwas fürchten sollten. Auch nicht vor Dunkelheit und Tod. Zu diesem Zweck ermunterte er sie, in einer stockdunklen Kammer in welcher er med. Material wie Knochen etc. aufbewahrte, für ihn einen Oberarmknochen und einen Männerschädel zu holen, was Maria furchtlos ohne zögern meisterte.
Das Doktorhaus war nicht immer nur vom Glück erfüllt. Die zweitälteste Tochter Hedwig bereitete ihren Eltern und Geschwistern oft Sorgen wegen ihrer zarten Art und ihrer lange Zeit schlechten Gesundheit. Hedwig verbrachte dennoch viele Stunden mit der Pflege der Vögel obwohl es ihr im innersten gegen ihre Natur ging. Ganz anders die um sechs Jahre ältere Schwester, die älteste der drei Arztkinder. Sie war die robuste Natur immer zu Spott und Hohn gegen ihre "kleineren" Schwestern aufgelegt.
Maria 11 Jahre alt Bild © Heini Waser
Als Maria nach ihrem Schulaustritt zuerst das Lehrerinnenseminar in Bern besuchte kam ein neues Angebot gerade im richtigen Moment. Denn die Atmosphäre im Seminar behagte ihr nicht und der dort vorherrschende Geist entsprach nicht ihrem Begehren. Der Zufall wollte es, dass Maria an einem Sonntag auf der Rückfahrt nach Bern eine junge Künstlerin kennen lernte. Maria folgte ihrer Einladung sie zu Hause zu besuchen um ihre Bilder und Zeichnungen zu betrachten. Die junge neue Freundin stellte Maria ihren Vater vor, ...es war Josef Viktor Widmann, der von ihren Eltern so hoch verehrte Dichter, Schriftsteller, Pfarrer, Journalist und Weltkenner.
Widmann urteilteilte gleich, dass Maria am falschen Ort sei und gab ihr den Rat, ins Städtische Knaben-Gymnasium in Bern einzutreten. Zuhause in der Familie wurde nun darüber diskutiert und beratschlagt und der Entschluss gefasst diesem Rat von Josef Widmann Folge zu leisten.
Rektor Georg Finsler
Die erst 16 jährige Maria sprach nun ganz alleine beim Rektor des Gymnasiums vor und unterbreitete ihm ihren Wunsch in seinem Institut als Schülerin eintreten zu dürfen mit der Begründung die griechischen Sprachen und Homer im Urtext verstehen zu lernen. Rektor Georg Finsler, ein in alten Sprachen geschulter angesehener Gymnasiallehrer, der beste Griechischlehrer seiner Zeit ging sofort auf ihr Begehren ein da er sehr daran interessiert war, der Bildung der Frauen jeden erdenklichen Vorschub zu leisten.
Maria war hochbegabt und besuchte nun ab 1894 als einziges Mädchen sehr zum Missfallen von Volk und Behörden das Städtische Knaben-Gymnasium in Bern. Von den gleichaltrigen Schulkollegen durfte sie auf Anweisung der Direktion nicht geduzt, sondern nur mit Fräulein Krebs angesprochen werden.
Im Herbst 1897 bestand sie mit Bravour die Maturitätsprüfung. Maria studierte gleich danach vier Jahre bis 1901 in Lausanne und Bern deutsche und französische Sprach- und Literaturgeschichte und Sprachwissenschaft und promovierte 1901 als die erste Schweizer Historikerin. Ihre Doktorprüfung hat sie kurz vor Weihnachten 1901 mit höchster Auszeichnung bestanden.
Maria das hochbegabte Kind, intelligent mit wachem Geist und aufmerksamen Augen.
Welche grossartige Sichtweise, Vorstellungskraft und Beobachtungsgabe Maria schon im Alter von sechs Jahren hatte zeigt unter anderem diese Darstellung, proportional beinahe vollkommen mit allen Details, eine von vielen Zeichnungen die Maria Krebs als 6-jähriges Mädchen zeichnete.
1902-1904 Arbeiten und Aufenthalt in Italien. Von 1904-1919 war sie in Zürich bei der Kulturzeitschrift "Die Schweiz" tätig, wo sie auch ihren späteren Ehemann, den Altphilologen Otto Waser kennen lernte, mit dem sie in den folgenden Jahren die Herausgeberschaft für die Literatur- und Kulturzeitschrift " Die Schweiz " übernahm. 1904 heiratete sie ihren Mitredaktor Otto Waser, den späteren Professor für Klassische Archäologie.
Maria Waser hatte eine wichtige Position in Literaturkreisen und war eine engagierte und erfolgreiche Kulturvermittlerin. So war sie unter anderem Vorstandsmitglied des SSV und unterhielt vor allem zur Zürcher Literaturszene gute Beziehungen.
Als Redaktorin übte Maria Waser einen starken Einfluss auf die zeitgenössische Literatur aus. Mit dem 1913 erschienenen Frauen- und Künstlerroman Die Geschichte der Anna Waser wurde sie auch einem breiteren Publikum bekannt. Die nachfolgenden Werke festigten die öffentliche Wertschätzung der Autorin, die als Ehefrau, Schriftstellerin, Mutter und Redaktorin nicht nur sehr unterschiedliche Frauenrollen mühelos zu vereinen schien, sondern sich ein Leben lang über die Literatur hinaus für die gesellschaftliche Besserstel-lung der Frau einsetzte. 1938 ist Maria Waser als erste Frau mit dem Literaturpreis der Stadt Zürich (ihre zweite Heimat) ausgezeichnet worden. Am 19. Januar 1939 starb Maria Waser in Zollikon am Zürichsee.
Wasers Werke sind geprägt von einem tiefen Glauben an das Gute im Menschen und die allumfassende Kraft der Liebe. Für die schweizerischen Verhältnisse jener Zeit darf sie getrost als „Grosschriftstellerin“ mit beachtlichen Auflagen bezeichnet werden. Ihr wohl wichtigstes und auch erfolgreichstes Buch beschreibt die Lebensgeschichte der Zürcher Malerin Anna Waser.
Durch ihre Werke und die Maria Waser Strasse in Herzogenbuchsee bleibt sie uns allen unvergessen.
Maria Waser-Krebs
Erste schweizer Historikerin, Schrifstellerin und Dichterin
Die junge Doktorin Maria Waser-Krebs
Maria Waser schweiz. Historikerin
Maria Waser
| Veröffentlichte Hauptwerke von Maria Waser | |||
| 1902 | Die Politik von Bern, Solothurn u. Basel 1466-1468 | Dissertation | |
| 1903 | Henzi und Lessing | ||
| 1903 | Die Geschichte der Anna Waser | ||
| 1918 | Scala Santa | Novelle | |
| 1919 | Von der Liebe und vom Tod | Novellen | |
| Die letzte Liebe des Stadtschreibers | |||
| Das Gespenst im Antistitium | |||
| Das Bluturteil | |||
| Das Jätvreni | |||
| 1922 | Wir Narren von gestern | Roman | |
| 1927 | Wege zu Hodler | ||
| J.V.Widmann | |||
| 1928 | Der heilige Weg, ein Bekenntnis zu Hellas | ||
| 1929 | Wende | Roman | |
| 1930 | Land unter Sternen ( über ihre Heimat H'buchsee / Oberaargau ) | Roman | |
| 1933 | Begegnung am Abend | ||
| 1936 | Sinnbild des Lebens | ||
| 1938 | Das besinnliche Blumenjahr | ||
| 1944 | Nachklang - ausgewählt von Otto Waser | ||
| 1946 | Gedichte, Briefe, Prosa... Herausg. Esther Gamper | ||
| Weitere Daten | |||
| 1878 | 15. Oktober, Geburt der kleinen Maria Krebs | ||
| 1894 | Lehrerinnenseminar Bern / Eintritt im Frühjahr | ||
| 1894 | Städtisches Gymnasium Bern / Eintritt im Herbst | ||
| 1897 | Erfolgreicher Abschluss der Maturitätsprüfung | ||
| 1897 | -1898 Uni Lausanne | ||
| 1898 | Uni bern | ||
| 1901 | Doktorprüfung mit Höchstnote bestanden | ||
| 1902 | -1904 Italienaufenthalt | ||
| 1905 | Vermählung mit Otto Waser (1870-1952) | ||
| 1904 | -1919 Redaktorin der "Schweiz" in Zürich | ||
| 1918 | Tod der geliebten Mutter Marie Krebs | ||
| 1925 | Tod des geliebten Vaters | ||
| 1939 | Maria Waser stirbt am 19. Januar |
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