Lina Bögli

Erste schweizer Reiseschriftstellerin

* 15.4.1858   † 22.12.1941

Am 15. April 1858 wurde Lina Bögli als jüngste Tochter eines armen Bauern im 'Bodenhaus' am Waldrand bei Spych in Oschwand bei Herzogenbuchse ( Kanton Bern ) in der Schweiz geboren. s'Bode-Lina' wurde sie alleweil genannt und kaum einer erinnerte sich genau an den Familiennnamen. Ihre Mutter verstarb früh im Jahre 1870 als Lina 12 Jahre alt war. Lina Bögli musste deshalb schon als Jugendliche als Kindermädchen arbeiten. Eine gute Schulbildung und ihr grösster Wunsch Lehrerin zu werden wurden ihr vom Vater in Folge mangelnder finanzieller Mittel vorerst mal verwehrt. Um die Familie zu entlasten wurde sie (nach dem Tod der Mutter) im Alter von 12 Jahren aus der Schule genommen und als Kindermädchen zu einer Familie in den Jura geschickt. Dort lernte sie halbwegs Französisch, das sie später zur perfektion verbesserte. Dass sie auch im Jura die Schule besuchen könne blieb meist bei der Idee, denn nur selten wurde es ihr von der Gastfamilie erlaubt und immer musste Lina die Kinder hüten. Sie besass jedoch einen ausgeprägt starken Lerneifer und schon früh entdeckte sie auch ihre sonderbare Gabe 'Kinder in Ordnung zu halten' (besonders gut mit Kindern umgehen zu können).

Mit 17 Jahren kam Lina Bögli als Kindermädchen nach Neapel zu einer wohlhabenden Schweizer Familie in welcher Lina gut aufgenommen wurde, wo sie gleichzeitig (nach eigener Aussage) auch erst 'richtig' deutsch lente. Ihren Drang nach Wissen und den unaufhaltsamen Lerneifer konnte Lina erst so richtig ausüben als sie später (nach ihrer Tätigkeit in Neapel) bei einer Adelsfamilie in Galizien (Polen) beschäftigt war. Dort wurde ihre hohe Intelligenz erkannt und intensiv gefördert so dass Lina Bögli im Alter von 28 Jahren in Neuchatel (Schweiz) die 'Ecole supérieure' besuchen konnte wo sie nur 2 Jahre später als 30-jährige das Lehrerinnen-Diplom als Sprachlehrerin für Französisch und Englisch erwarb.  ( sie folgte damit auch einem weisen Rat der um einige Jahre älteren Amelie Moser, auf diese Weise ihre bis dahin verpassten Schulkenntnisse nachzuholen. ) Es war nun das Jahr 1888. Nach einem anschliessenden Aufentalt in England kehrte Lina Bögli als Erzieherin und Sprachlehrerin nach Polen zurück. -  Als Kind war Lina vielen harten Erfahrungen ausgesetzt die ihr jedoch im späteren Leben zu Nutzen waren, hatte sie doch im Laufe der Jahre auch nicht wenige Entbehrungen zu ertragen. - Lina Bögli war nun Lehrerin und wurde die erste Schweizer Reiseschriftstellerin überhaupt.

Lina Bögli, die schöne zierliche junge Frau verliebte sich während ihres Aufenthaltes in Krakau in einen polnischen Offizier der sie auch heiraten wollte. Doch Lina gab ihm einen Korb - dem einzigen Mann den sie jemals geliebt hat - um seine Karriere nicht zu zerstören. -  Um diesem seelischen Schmerz aus dem Weg zu gehen unternahm Lina Bögli ihre erste Weltreise, eine Flucht vor ihm und sich selbst.  Eine Flucht vor der Liebe, der Enttäuschungen die hätten kommen können.

Sie unternahm zwei grosse Reisen und schrieb über jede dieser Reisen ein Buch mit dem Titel 'vorwärts' und  'immer vorwärts'. Ganz allein und ohne finanzielle Sicherheit brach sie am 12. Juli im Jahre 1892 mit nur 1400 Franken in der Tasche zu einer 10-jährigen Weltreise auf mit der Absicht, genau in 10 Jahren wieder an ihrem Ausgangsort in Krakau (Polen) anzukommen. -  Im Sommer 1902 kam sie am 12. Juli wie vorgesehen auf den Tag genau wieder in Europa am Bahnhof in Krakau an.

Diese Reise führte sie zuerst per Schiff von Brindisi nach Sydney in Australien wo sie als Lehrerin arbeitete und das Landesinnere erkundete, später nach Neuseeland, Samoa, Hawaii wo Lina 1 Jahr lebte, nach San Francisco Californien, an die Ostküste der USA und nach Canada. Als sie am 12. Juli 1902 wieder im Bahnhof in Krakau ausstieg stand 'dieser Offizier' am Perron und empfing seine geliebte Lina. Sein erneuter Heiratsantrag schlug abermals fehl, denn Lina verneinte wieder, zu Gunsten ihrer persönlichen Freiheit. Lina Bögli lebte in der Gewissheit dass ihr innigst Geliebter 1914 im Krieg gefallen sei.  -  Die in späteren Jahren von Judith Arlt unternommenen Forschungen über Lina Bögli und ihr Leben in Polen und speziell in Krakau beweisen jedoch dass dieser Offizier mit Namen Bijak Lina Bögli überlebte und erst 1942 starb. Auch sind zahlreiche Tagebücher von Lina Bögli - welche die Echtheit ihrer Berichte bestätigen - erst Jahre später zum Vorschein gekommen.

1914 kehrte Lina Bögli in die Schweiz zurück. Seit ihrem 17. Altersjahr lebte sie immer im Ausland. Inzwischen 56 Jahre alt, kehrte Lina Bögli nach Herzogenbuchsee zurück und mietete sich im (damals ersten) Alkohol freien Restaurant Kreuz (siehe oben Amélie Moser) im 1.Stock 'Ihr' Zimmer. Dort wohnte sie 27 Jahre lang umgeben von vielen Erinnerungsstücken ihrer langen Reisen, bis zum Tod am 22. Dez.1941. 

Zurück in Herzogenbuchsee lebte Lina Bögli ein einfaches aber unabhängiges Leben, da sie genug Geld gespart und dieses offensichtlich Gewinn bringend angelegt hatte. Bis ins hohe Alter war sie stets eifrig und voller Tatendrang. Sie erteilte Privatunterricht in Französisch und Englisch, betätigte sich als Vortragsreisende und prägte in der Schweiz vor dem 2. Weltkrieg in grossem Masse das Bild Ozeaniens und Asiens mit.  Eines ihrer 'Markenzeichen' war ihre absolute Pünktlichkeit. Sie kümmerte sich auch um ihre Nichten und Notleidende in der Gemeinde. Sie hatte keine Familie, die einzige leibliche Schwester lebte in Deutschland. Ihr verbliebenes Vermögen hat sie Gemeinnützigen Institutionen übergeben. Lina Bögli wurde an ihrem Geburtsort Oschwand begraben wo Ihr schöner gepflegter Grabstein an sie erinnert.


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