Handwerk und Industrie im Oberaargau

Ein vergessenes Handwerk

Lische rupfen - ehemals Zusatzverdienst vieler Familien

Um was es da geht kann sich heute wahrscheinlich kaum noch jemand vorstellen.

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Lische (Carex brizoides)

ist eine Waldpflanze, eine Grasart ( Zittergras Segge ) allg. auch Wald-seegras oder (unkorrekt) Seegras genannt, welches in alter Zeit vorwiegend in Nass- und Sumpfgebieten beheimatet war. Bei uns im Oberaargau gibt es an verschiedenen Orten in luftig feuchten Wäldern Nähe der Aare - noch grössere Vorkommen. Lischefelder im Wald sind auf jeden Fall auch etwas fürs Auge. Die dicht aneinander wachsenden, sehr dünnen dreikantigen Blätter der Pflanze erreichen eine Länge von Ø 60cm (30-100cm)  und vermitteln unserem Auge eine schöne, optisch weiche wellenartige Oberfläche wenn der Wind darüber streicht. - ( siehe Bild ).

Lische rupfen ( ziehen ) war früher - vorwiegend im Juni/Juli - eine Beschäftigung vieler Leute.  Die Lische wurde gebündelt nach Hause gebracht, in der Tenne oder irgendwo " am Schärme " (am trockenen) oder wenns möglich war gleich an der Sonne zum trocknen dünn ausgelegt. An einem vorher bestimmten Abgabetag wurde die Ware zum Gemeinde-magazin (Werkhof ) gebracht, wo die Abnehmer (Händler) die Ware wogen und gleich bezahlten. Besonders in den 1930er Jahren während der Wirtschaftskrise war das Lische sammeln eine zusätzliche Einnahmequelle für viele Familien. - Lische wurde (getrocknet) als Füllmaterial für Polstermöbel,  Autositze, Matratzen, Kissen usw. verarbeitet.

Verarbeitung von Lische. Vor der eigentlichen Verwendung wurden die Lischebündel zu dicken Strängen von 15-20cmØ gewoben/gesponnen ( ähnlich wie Hanfseile ) . Die getrockneten langen dünnen Blätter der Pflanzen erhielten durch das Spinnen eine krause Form, womit wiederum ein grösseres Volumen erreicht wurde und die Lische somit optimal als Füllung für Polster etc. verwendet werden konnte. Blühende oder bereits bräunliche Lische kann nicht verwendet werden. Die Ernte musste in Zeiten erfolgen wo die Lische schön grün und stabil war. Meist war das im Juni / Juli. Die genau vorgegebenen Erntezeiten wurden fast überall von den Gemeindebehörden bekannt gegeben.

Auf die gleiche Art wurden auch in den Rosshaarspinnereien Pferdehaare verarbeitet. Lische-Matratzen waren jedoch wesentlich preiswerter als solche aus Rosshaar. Dazu kam, dass in den Kriegsjahren Pferde rar waren und somit auch deren Haare teurer, was (auch im Oberaargau) viele Matratzen Hersteller dazu bewog, auf die Produktion von Lischematratzen zu setzen. Zudem benötigte man für eine Rosshaar-Matratze rund 15 Kg gesponnene Pferdehaare, für eine Lische-Matratze "bloss" 12 Kg Lische (Waldseegras).

Archivbild (Privat)

 

In den 1960er Jahren lernte ich als Schüler auch Polster und Matratzen herstellen.

Beim Orts ansässigen Autosattler habe ich als Bub mitgeholfen und dabei gleich gelernt wie die Lische zur Herstellung von Autositzen usw. verarbeitet wurde.

Veränderungen geschehen durch neue Ideen, Umdenken und verabschieden vom alten

Aber auch durch die Jahreszeiten welche unseren Lebensraum ebenfalls verändern.

Einst bedeutende Unternehmen im Oberaargau

Die in neuster Zeit präsenten Firmen sind den meisten Zeitgenossen bekannt, weshalb wir hier interessante Informationen die Wirtschaftslage unserer Region früherer Zeiten betref-fend etwas näher betrachten. Wir bewegen uns im Zeitraum der letzten 200 Jahre.

 

Für manche Besucherinnen und Besucher meiner Webseite mag es interessant sein auch etwas über vergangene Handwerks- und Grossbetriebe im Oberaargau zu erfahren.

Zu sehen und verstehen welches wirtschaftliche Potential unsere Vorfahren mit einfachsten Mitteln, ungebändigtem Tatendrang oft unter grössten Entbehrungen geschaffen haben.

 

Hier werden deshalb vorwiegend einst bedeutende Firmen von denen einige heute nicht mehr existieren vorgestellt. Es zeigt uns eindrücklich wie vor und zu Beginn des Industrie-zeitalters, mit Einführung der Elektrizität auch die Wirtschaft im Oberaargau stark beein-flusst wurde.

Der Oberaargau gehört bis heute zu den stärksten Wirtschaftsregionen der Schweiz. 

 

Die Entstehungs- und Unternehmensgeschichte einiger Firmen zeigt auf eindrückliche Weise die soziale Einstellung früherer Firmenchefs und hilft uns heute zu verstehen wie es möglich war auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten (die gab es nämlich schon früher) erfolgreich zu sein.

Auffallen wird uns beim lesen dieser Berichte das "Zusammengehörigkeitsgefühl"  welches in früheren Zeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herrschte und ein ausschlag-gebender Faktor zum Erfolg darstellte.  

Wir staunen oft  über bekanntes und vertrautes, wenn wir urplötzlich feststellen dass sich um uns herum scheinbar unbemerkt vieles in nur wenigen Jahren stark verändert hat.

Beitrag ist in Vorbereitung, danke für Ihre Geduld

Geplante Einträge :          
HUG & Co AG Schuhfabrik :   Herzogenbuchsee 1878 -  
A. Rapp & Co Schuhfabrik :   Herzogenbuchsee 1902 - 1937
Porzellanfabrik Langenthal :   Langenthal 1906 -  Eigene Seite ist online 
Brauerei Baumberger    Langenthal   -  
weitere sind in Bearbeitung          

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