Höckerschwan - Cygnus olor
| Wissenschaftlicher Name: | Cygnus olor | |
| Deutscher Name : | Höckerschwan | |
Höckerschwan weibl. - cygnus olor
Anatomie / Optik : Er ist der grösste aller bei uns bekannten Schwäne. Sein Leib ist gestreckt, das Kleid schneeweiss, der Hals sehr lang ( 22-25 Halswirbel) mit mittelgrossem Kopf und eben so langem Schnabel stark orange gefärbt, vorn abgerundet und an der Wurzel mit einem schwarzen Höcker versehen. Majestätisch in Gestalt... und ästhetisch, einer der schönsten Grossvögel. ( beim Weibchen ist der Höcker etwas kleiner ).
Die Küken sind bräunlich-grau mit meist fadgrauem Schnabel, sie werden erst im Erwachsenenalter vollständig weiss. Im Flug erscheint der so schon wunderschöne Vogel noch mächtiger und seine riesigen Schwingen erzeugen ein lautes, weithin hörbares Pfeifgeräusch. Seine Beine sind weit hinten eingelenkt was ihm den etwas schwerfälligen Gang beschert. Seine Füsse sind meist schwarz oder bräunlich (bei immutabilis Tieren fleischfarben, siehe auch Rubrik immutabilis Info) und zeichnen sich durch grosse Schwimmhäute aus. Der Schwanz hat eine Länge von 18cm und besteht aus 18-24 Steuerfedern. Sein Gefieder ist allgemein sehr dicht und samtig, besteht aus rund 25'000 Federn die täglich mehrmals gepflegt werden (müssen). An der Unterseite ist ihr Kleid jedoch eher pelzartig.
Höckerschwan Junior... ca. 2-3 Wochen alt
Grösse / Gewicht / Alter / Flugfähigkeit : Ein erwachsener Höckerschwan erreicht eine Fluggeschwindigkeit von gut 50 Kmh... wiegt im Schnitt 12-14 Kg in seltenen Fällen bis max. 20 Kg.( Weibchen sind leichter als Männchen) ..kommt auf eine Länge von 150-170cm, seine Flügelspannweite beträgt 240-260cm... Europäische Schwäne in menschlicher Obhut werden teilweise 40-50 Jahre alt. Bei wild lebenden liegt die Lebensdauer wesentlich darunter. Die Jungen sind mit ca. 2 Monaten flugfähig.
Stimme / Sprache / Sinne u. Wesen : Seh und Hörsinn ist beim Schwan sehr ausgeprägt. Auch seine kräftige Stimme setzt er des öfteren ein, wenn erforderlich. Ihre lauten Rufe tönen manchmal etwas gurgelnd und erinnern leicht an eine Trompete. Der Höckerschwan ist allgemein der zahmste aller Schwäne.
Doch Vorsicht ..fühlt er sich in Gefahr oder ist er zornig, kann jeder Schwan wegen seiner unglaublichen Kraft auch für Menschen gefährlich werden. Es ist schon vorgekommen dass ein Schwan einen Fischer getötet hat, weil dieser ihn aus einem Fischernetz befreien wollte... der Schwan dies jedoch nicht erkannte und sich angegriffen fühlte. Ein Flügelschlag kann einem Menschen einen Arm brechen. Sein Schnabel wird in Gefahrensituationen zur gefährlichen Waffe. Wenn Schwäne untereinander streiten sollte man nicht dazwischen gehen, man hat eh keine Chance an der Situation was zu ändern. Im Zorn registriert der Schwan kaum was sonst noch um ihn herum geschieht.
Wird man von einem Schwan angegriffen hilft auch ein Elektroschocker nichts, da sein Federkleid den Strom isoliert und nicht weiterleitet. Am besten ruhig bleiben, ihm die flache Hand vors Gesicht halten ( wie das Stopp der Polizei, oder das Sitz-Zeichen für den Hund) und ruhig mit ihm reden. Zu 99% beruhigt sich das Tier relativ rasch wieder. Habe es selber mehrmals ausprobiert, funktionierte wirklich. Denke daran : der schwan merkt wenn Du Angst vor ihm hast und sieht dich eher als Bedrohung.
Hinweis : Jetzt bloss keine Angst, denn allgemein passiert überhaupt nichts, denn Schwäne sind allgemein friedlich und wenn nicht... ist fast immer ein Fehlverhalten der Menschen schuld. Dieser Hinweis soll nur daran erinnern dass das richtige Verhalten dem Tier gegenüber äusserst wichtig ist.
Wichtig : ...man sollte einen Schwan auch nicht 'verarschen' in dem man ihm vormacht was zum fressen geben zu wollen... und wenn er wirklich anmarschiert (was die meisten tun) bekommt er doch nichts. Schwäne sind sehr intelligent, sowas 'checkt' der sofort und kann hässig werden. Auch das habe ich schon beobachtet, wie Jugendliche einen Schwan damit neckten und der sich umgehend rächte.
Ursprüngliche Herkunft : Ist nicht genau definierbar, aber die Gegenden um das schwarze Meer, das Baltikum, Nordeuropa und der Norden Chinas können als die Gebiete ihrer Herkunft angesehen werden. Mancherorts wurden sie vor 100 Jahren durch Bejagung ausgerottet und später wieder angesiedelt. Echte Wildschwäne gibt es bloss noch in nordeuropäischen Ländern wie Dänemark, Schweden und an der deutschen Ostsee. Auch diese sind jedoch relativ zahm.
Verbreitungsgebiet : Heute findet man den Höckerschwan von den USA ... Michigan, NewYork... über Europa bis weit nach Asien.... auf allen Kontinenten... mit Ausnahme von Afrika und der Antarktis.
Lebensraum / Lebensweise : Der Höckerschwan lebt zumindest in Europa als Standvogel. Ein Höckerschwan-Paar beansprucht ein relativ grosses Revier für sich, welches auf einemFluss z.B. mehrere Km lang sein kann. Andere Wasservögel wie Enten usw. werden geduldet. In der Brutzeit jedoch nicht. Da werden alle schwimmenden Nachbarn in die Flucht geschlagen. In der Nähe vom Nest hat keiner was zu suchen. Überwinterungsgebiete vieler europäischer Schwäne sind die flachen Meeresbuchten der Ostsee. Zentralasiatische Höckerschwäne ziehen im Winter nach Süden und überwintern z.B. im Iran.
In der Schweiz wurden bereits um das Jahr 1690 Höckerschwäne angesiedelt. Der Bestand in der Schweiz ist seit Jahren stabil bei etwa 500 Brutpaaren. Wenn im Winter aus dem Norden Schwäne hierher zum überwintern kommen, so bevölkern gegen 4500-5000 Tiere die Schweiz. Hier lebende Höckerschwäne verlassen Ihren angestammten Platz nicht, da sie den ganzen Winter durch auf offenem Wasser leben können und auch Futter finden. Ebenso auch andere Mitteleuropäische Schwäne.
Ernährung / Fütterung : Sie ernähren sich zur Hauptsache von Grünpflanzen an Land, am Ufer und Wasserpflanzen die vom Grund der Gewässer herauf geholt werden, - durch gründeln kommt er mit seinem langen Hals bis in Tiefen von 100cm - Algen, Samen und Wurzeln, Kleinlebewesen wie Schnecken, Asseln, Muscheln etc. auch kleine Fische und Amphibien werden verspeist. - Frei im Wasser schwimmende Tiere können sie jedoch nicht erbeuten - Sie äsen oft und gern auch auf Wiesen und Felder ... d.h. sie fressen Gras wie die Kühe, natürlich längst nicht so viel, was aber trotzdem mancherorts zu Konflikten mit den Landwirten führt. Grosse Schäden in dem Ausmass wie oft behauptet wird richten sie keine an, und das was hinten raus kommt ist auch nicht mit der Kuchenlieferung einer Kuh zu vergleichen. Alle Entenvögel machen Dreck, frei lebende manchmal auch dort wo es den Menschen nicht passt.
Sie fressen auch gerne Hühnerfutter, Körner, Gerste, Hafer, Weizen usw. Sie lassen sich auch oft und gern von Passanten und Spaziergängern füttern, was für die Tiere oft zum Nachteil ist.
Schwäne in Parkanlagen, Zoo's etc. sollten NICHT gefüttert werden. Sie werden von Menschen betreut und erhalten das was sie benötigen. Auch in der freien Wildbahn ist das Füttern dieser Tiere ( Schwäne, Gänse, Enten etc.) mit Ausnahme vielleicht im Winter nicht ratsam. Viele Jungtiere gewöhnen sich schnell an die Fütterund durch Menschen und lernen so nie richtig, selber Nahrung zu suchen... und verenden manchmal aus diesem Grund. Auch durch falsches Futter und Überfütterung können die Tiere elend zu Grunde gehen. NIEMALS verschimmeltes Brot... oder Toastbrot ( ist Gift für die Vögel) und ähnliches an Entenvögel verfüttern. Dies führt zu Vergiftung und Tod. Generell gilt : nicht füttern... höchstens im Winter ...aber auch nur bei Dauerfrost und starker Schneedecke, wenn die Tiere wirklich nirgendwo selber essbares finden können.
Verpaarung / Fortpflanzung : Schwäne sind Vorbilder für Menschen. Paare die sich einmal gefunden haben bleiben ein Leben lang zusammen. Im allgemeinen verlassen die in Mitteleuropa lebenden Tiere auch ihren Lebensraum und ihr Brutgebiet das ganze Leben lang nicht mehr. Die Paarung wird generell im Wasser vollzogen, wobei das Weibchen tief unter Wasser gedrückt wird. Habe ein einziges mal beobachtet dass es ein Schwan Männchen auch an Land versucht hat. Das war jedoch - wegen dem Gewicht der Tiere - ein so mühsames Unterfangen dass diese Variante Erfolglos abgebrochen wurde. Während der Brutzeit kann der Papa-Schwan recht aggressiv werden und verscheucht durch lautes fauchen alles was zu nahe kommt... auch die Menschen. Beide Eltern kümmern sich um die Aufzucht ihrer Kinder... und verteidigen diese im Ernstfall auch mit allen Kräften.
Balz / Brutzeit / Gelege / Aufzucht : Zur Balzzeit schwimmen die Schwanenpaare oft gemeinsam eng beieinander, liebkosen sich, schlingen die Hälse umeinander und zeigen schöne synchron Figuren und elegante Bewegungen die sie mit ihrem Hals vollführen. Brutzeit ist von März bis Juni, kann aber in manchen Gebieten auch schon früher vorkommen. Der Höckerschwan ist ein Bodenbrüter. Das Weibchen brütet seine 5-8 weissen Eier abwechselnd mit dem Männchen. Die meiste Zeit brütet jedoch das Weibchen, sie hat etwas mehr Geduld. Der Papa bewacht in dieser Zeit das Nest und seine Partnerin und verteidigt sie gegen Störefriede.... und passt auf mögliche Feinde auf. Die Brutdauer bewegt sich zwischen 35-40 Tagen. Sein Nest baut er als grossen Haufen aus Pflanzen und Zweigen - nahezu einer Burg gleich - an einer schwer zugänglichen Stelle, die oft nur vom Wasser aus erreichbar ist. Die Küken sind Nestflüchter, kaum aus dem Ei geschlüpft, schon sind sie selbständig... das heisst sie verlassen gleich nach dem schlüpfen ihr Nest und werden von den Eltern sofort ins Wasser geleitet, wo sie auch gleich lernern müssen, ihr Futter selber zu suchen. Allerdings hilft die Mutter ihren Kleinen und zeigt ihnen immer wieder wie das geht. Die intensive Betreuung der Eltern dauert etwa 4-5 Monate, dann sind die Küken flügge. Geschlechtsreif ist das Jungtier mit der ersten Mauser, wo es dann auch ein weisses Kleid und den orange farbenen Schnabel bekommt... und von den Eltern nur noch schwer zu unterscheiden ist. In Nordamerika, wo Höckerschwäne in grossen Kolonien zusammen brüten werden pro Paar eher weniger Junge geboren als anderswo... weil es öfter zu Revierkämpfen kommt und etliche Eier dabei zu Bruch gehen. Sie vermehren sich in den USA dennoch stark.
Population / Artenschutz / Gefährdung : Der Höckerschwan gehört heute glücklicherweise nicht mehr zu den gefährdeten Tierarten. Gemäss IUCN wird die Population weltweit auf etwas über 600'000 Tiere geschätzt. Das war jedoch nicht immer so. Noch vor 100 Jahren wurde er von den Menschen erbittert gejagt wegen seiner Federn, der Daunen und nicht zuletzt wegen seinem Fleisch.
Haltung und Zucht : Die Haltung in Zoo's und Parks sind soweit problemlos. Nachzuchten sind meist erfolgreich. Der Höckerschwan passt sich seiner jeweiligen Umgebung gut an und sorgt auch für Nachwuchs. Es kommt auch vor dass Schwäne im Zoo abhauen und dann wild leben. Doch auch das Gegenteil kann geschehen, dass sich Schwäne ein Gehege im Zoo als ihr neues Revier erwählen.
Besonderes : In Gefangenschaft kann er ( vorwiegend in Zoo's und Tierparks ) zum Menschen ein sehr inniges Verhältnis entwickeln. Die dabei entstehenden Liebkosungen der Schwäne zu Wärter und Tierpflegern können unter Umständen extrem heftig sein, so dass sich der Mensch vorsehen muss um nicht verletzt zu werden.
Anmerkungen : Schwäne sind ( wie viele andere Tiere auch ) sehr intelligente und gefühvolle Tiere. Sie suchen oft die Nähe der Menschen.... möchten von denen jedoch generell in Ruhe lgeassen werden, vor allem in der Brutzeit. - Fühlt sich der Schwan bedrängt oder in Gefahr, könnte auch ein Mensch in Not geraten wenn man z.B. dem Nest zu nahe kommt. Die Schwäne sind sehr stark und können mit ihren Flügeln auch einem Menschen erhebliche Verletzungen zufügen.
Feinde & Gefahren : Feinde hat der Höckerschwan kaum... könnte man denken.
Da täuscht man sich, denn da sind einige die dem Schwan nicht immer gut gesinnt sind. So z.B. diverse Raubtiere wie Marder, Wiesel und Hermelin, ...die klauen die Eier... und dann der grosse Milan, (Rotmilan) ein in der Schweiz geschützter Raubvogel macht sich an die Küken ran und verspeist sie. - Dieses Problem besteht auch bei Schwänen die in - von Menschen betreuten - Anlagen leben. Dann gibt es noch Zweibeiner namens Mensch, die sich auch als Schwan-Feinde entpuppen. Sie zerstören mutwillig in voller Absicht die Eier und Gelege der Schwäne weil hierzulande einige Leute der Meinung sind es habe zuviel von diesen wunderschönen Tieren, was ganz sicher nicht zutrifft. Ein bis zwei Eier sollte man den Tieren lassen weil sie wie eben beschrieben - durch natürliche Umstände - einige ihrer Jungen sowiso verlieren.
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